Scheibner bedauert Rückzug Haiders

15. September 2002, 12:47
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Parteipräsidium wird einberufen - Gorbach und Schöggl völlig überrascht - Pumberger: "Ich kann ihn nicht mehr verstehen"

Wien/Bregenz/Graz - Der interimistische FPÖ-Chef Herbert Scheibner bedauert die Ankündigung des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, am kommenden Parteitag nicht als Parteiobmann kandidieren zu wollen. "Ich halte es für sehr bedauerlich, dass die FPÖ nicht zur Ruhe kommt", so Scheibner. Er kündigte an, das Parteipräsidium so rasch wie möglich einzuberufen, um in diesem Gremium eine Lösung zu finden.

Scheibner hat nach eigenen Angaben Haider seit seinem jüngsten Rückzug nicht mehr gesprochen: "Ich erreiche ihn auch nicht". Die Hintergründe für Haiders Entscheidung seien unklar. "Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, Missverständnisse aufzuklären", sieht Scheibner noch einen Funken Hoffnung. Jedenfalls gelte es, "für die Parteiführung kühlen Kopf zu bewahren". Der Parteitag am kommenden Samstag sei nach wie vor aufrecht. Scheibner ist nach eigenen Angaben optimistisch, dass bis dahin eine Lösung und ein "Weg aus der Krise" gefunden werde.

"Ich kann ihn nicht mehr verstehen"

Auch Kritik und Kopfschütteln erntet Haider in der eigenen Partei für seine Ankündigung. Tirols FP-Chef Willi Tilg etwa sagte am Sonntag gegenüber der ORF-Radio: "So kann man wirklich nicht arbeiten. Das, was wir hier erleben, ist unerträglich."

Der Nationalratsabgeordnete und stellvertretende oberösterreichische FP-Chef Alois Pumberger erklärte: "Ich kann ihn nicht mehr verstehen." Er hoffe, dass das nun "der letzte Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt" gewesen sei. Immerhin seien es bis zum Parteitag noch sechs Tage - Haider könne damit noch sechs Mal seine Meinung ändern.

"Völlig überrascht"

Völlig überrascht vom Rücktritt Haiders war Samstag Nachmittag der Vorarlberger FPÖ-Obmann Hubert Gorbach. Das mache die schwierige Lage nicht leichter, meinte Gorbach. Trotzdem müsse das Ziel der FPÖ sein, bei der Nationalratswahl ein Ergebnis zu erzielen, das Rot-Grün verhindere und andere Optionen ermögliche.

Samstag zu Mittag beschloss der Vorarlberger FPÖ-Landesparteivorstand die Kandidatenliste zur Nationalratswahl. Landesparteiobmann Hubert Gorbach wurde in beiden Vorarlberger Wahlkreisen (Nord und Süd) und auf der Landesliste an zweiter Stelle gereiht. Er betrachte dies als Solidaritätskandidatur "damit ich auf dem Stimmzettel sichtbar bin". Im Falle seiner Wahl werde er auf das Nationalratsmandat zu Gunsten des Nächstgereihten verzichten, sagte Gorbach. "Wenn ich in den Nationalrat wollte, würde ich in Vorarlberg als Nummer eins kandidieren".

"Sonderbarer Weg der Information für die Parteivorstände"

Er sei von der Ankündigung des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider genauso überrascht wie offenbar die Medien, meinte der steirische FPÖ-Obmann und LH-Stv. Leopold Schöggl am Samstagnachmittag. Schöggl meinte, er habe gedacht, es gelte, was in Linz beim Parteivorstand "sehr, sehr intensiv" ausverhandelt worden sei. Derzeit habe er keine weiteren Informationen, er versuche aber, Haider zu erreichen. "Allerdings halte ich es für sehr sonderbar, dass die Parteivorstandsmitglieder über eine Aussendung des Kärntner Landespressedienstes informiert wurden" und nicht persönlich, so Schöggl.

Er hätte sich den gemeinsamen Weg mit Haider gewünscht und wäre ihn auch mitgegangen, aber durch diese neue Situation müsse man nun eben durch, erklärte Schöggl. "Viele Personen seien derzeit offenbar an ihrer Belastungsgrenze angelangt", sagte der steirische FP-Parteiobmann.

Auch Grasser schweigt

Noch-Finanzminister Karl Heinz Grasser war am Samstag nicht bereit, zu Jörg Haiders Verzicht auf die Kandidatur als Bundesparteiobmann Stellung zu nehmen. Der Minister kommentiere Interna der FPÖ nicht, hieß es. (APA)

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    Völlig überrascht von Haiders Rücktritt ist Vorarlbergs FP-Obmann Gorbach.

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    Der interimistische FP-Chef Herbert Scheibner.

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