MobilCom: Vorerst kein Insolvenzantrag

14. September 2002, 15:55
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Regierung lädt zu Krisentreffen - Unterstützung von Bund und Land möglich

Büdelsdorf - Die vor dem finanziellen Ende stehende deutsche MobilCom AG wird am Samstag keinen Antrag auf Insolvenz stellen. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte dazu: "Heute passiert nichts".

Krisentreffen

Am Vortag hatte sich ein Anwalt im Auftrag von Mobilcom beim zuständigen Amtsgericht Flensburg über die Modalitäten eines Insolvenzverfahrens erkundigt. Die deutsche Regierung lud für Sonntag zu einem Krisentreffen nach Berlin, um über Wege zur Rettung des Konzerns zu beraten.

An dem Treffen sollen neben Wirtschaftsminister Werner Müller und Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier Staatssekretäre mehrerer Bundesministerien, Mobilcom-Chef Thorsten Grenz und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) teilnehmen. Ein zuvor von Grenz noch für Freitag angekündigter Insolvenzantrag könnte sich deshalb auf nächste Woche verschieben, hatte es geheißen. Insolvenzanträge können im Prinzip auch an Sonn- und Feiertagen bei den Amtsgerichten eingereicht werden. (APA/Reuters)

Finanzspritze von 200 Millionen Euro

Das von der Insolvenz bedrohte deutsche Mobiltelefonunternehmen MobilCom benötigt nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung eine Finanzspritze von 200 Millionen Euro. Wie im Fall der insolventen Baufirma Holzmann werden möglicherweise Staatsbürgschaften bereitgestellt.

Unterstützung von Bund und Land möglich

Mobilcom-Sprecher Wilhelm Fuchs wollte zu dem Bericht und möglichen Hilfsgeldern keine Stellungnahme abgeben und verwies auf ein von der Regierung eingesetztes Krisentreffen am Sonntag in Berlin. "Da wird sicherlich angesprochen werden, in welcher Form uns Bund und Land unterstützen können, um das Geschäft weiterführen zu können."

Antrag aufgeschoben

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte am Freitag erklärt, die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht stehende zur Rettung der mehr als 5.000 Arbeitsplätze bei MobilCom tun. Für Sonntag lud die Regierung zu einem Krisentreffen nach Berlin. Ein schon für Freitag angekündigter Insolvenzantrag des Unternehmens könnte sich deshalb auf nächste Woche verschieben.

France Telecom stellte Geldfluss ein

Der mit 28,5 Prozent an MobilCom beteiligte französische Staatskonzern France Telecom hatte in der Nacht auf Freitag bekannt gegeben, den Geldfluss an den deutschen Partner einzustellen. Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Hilfe der France Telecom für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die Strategie beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks waren zwei Großaktionäre in Streit geraten. Zuletzt war die mit sechs Milliarden Euro verschuldete Mobilcom nur noch dank Geldspritzen der Franzosen lebensfähig. (APA)

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