WEF in Salzburg: Mehr Polizisten als Touristen

14. September 2002, 15:56
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Bemühen um Deeskalation schon im Vorfeld der erwarteten Demonstrationen

Salzburg - Mehr Polizisten als Touristen: So könnte man die Situation in der rechten Altstadt von Salzburg kurz vor dem Gipfel des Weltwirtschaftsforums (WEF) am Montag auf den Punkt bringen. Wo sonst Japaner oder Italiener die Straßen und Plätze beleben, sind jetzt vor allem uniformierte Polizei- und Gendarmeriebeamte (in verschiedenen Uniformen) in Gruppen unterwegs.

Stadtführung

Polizeiautos und -busse sowie "Weiße Mäuse" fahren durch die Innenstadt, selbst die "Grüne Minna" wurde eingesetzt. Eine Stadtführung gab es nicht nur für Touristen, sondern auch für die auswärtigen Exekutivbeamten. Vielleicht will man vermeiden, dass es nicht mehr dazu kommt, dass sich beispielsweise Wiener Polizisten bei Einheimischen erkundigen müssen, in welcher Straße sich die Demonstranten jetzt gerade befinden.

"Wir brauchen uns um unsere Gastgärten keine Sorgen zu machen. Wir müssen nicht einmal unsere Sesseln abketten. Uns traut sich sowie keiner was wegtragen - so gut wie wir jetzt bewacht werden", meinte beispielsweise ein Gastronom aus der Bergstraße. Die meisten seiner Gäste - die meisten Touristen - zeigten sich nur verwundert über den Polizeiaufwand. Einige stellten sogar fest, sie hätten das Gefühl, wie wenn man sich im Kriegszustand befände.

Vor allem am Grenzübergang Walserberg kam es durch das Aufheben des Schengen-Abkommens immer wieder zu Staus. Manche zeigten sich über die Kontrollen äußerst überrascht - ließen diese aber kommentarlos über sich ergehen. Andere äußerten wiederum ihren Unmut: "Welchem 'hohen Tier' haben wir das zu verdanken? - Weltwirtschaftsforum, was ist das und na und?"

Bemühen um Deeskalation schon im Vorfeld

Nach den Vorfällen aus dem Vorjahr dürfte die Polizei dazugelernt haben. Schon am Freitag standen zahlreiche Uniformierte beim Salzburger Hauptbahnhof und verteilten Informationsblätter, insbesondere an jene Personen, die auf Grund ihres Äußeren potenzielle Teilnehmer der Anti-WEF-Demonstrationen sein könnten. Das Bemühen um Deeskalation schon im Vorfeld war dabei nicht zu übersehen, wie ein Lokalaugenschein der APA ergab.

Ausgesprochen freundlich und ruhig sprachen die Beamten die Menschen an. "Sicher, jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, ich verstehe das. Ich finde es gut, wenn ihr auf eure Standpunkte aufmerksam macht", sagte eine junge Polizistin, die einem Mann mit Fidel-Castro-ähnlicher Erscheinung einen Zettel in die Hand gedrückt hatte. "Wir wollen, dass alles friedlich abläuft", meinte die Beamtin weiter. Die Zettel machten unter anderem auf das seit 1. September gültige Vermummungsverbot aufmerksam. (APA)

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