Vermeintliche El-Kaida-Website meldet Tod Bin Ladens

14. September 2002, 12:06
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An der Echtheit der Seite gibt es jedoch Zweifel

Wien/Hamburg - Eine vermeintliche Website der islamistischen Terrororganisation El Kaida hat eine Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens verbreitet. An der Echtheit der Seite gibt es jedoch Zweifel, meldet "Der Spiegel" am Samstag in seiner Online-Ausgabe.

Die Website hat keinen "Klarnamen sondern ist nur über die kryptische Nummernfolge "66.197.181.234" erreichbar. Diese wechselt nach Medienberichten alle paar Tage. Wie echt und "offiziell" die Seite wirklich ist, ist nach wie vor ungeklärt. Israelische Experten, die die Seite seit geraumer Zeit beobachten, halten sie für authentisch. Laut "Spiegel" sprechen vor allem zwei Indizien dagegen.

Zwei Indizien sprechen dagegen

Islamische Extremisten nutzen in aller Regel keine PHP-Skripte, die angebliche El-Kaida-Seite beruht aber auf ihnen. PHP wurde in Israel entwickelt und gilt fanatischen Islamisten darum als Boykott-würdig. Das macht es unwahrscheinlicher, dass die 66.197.181.234-Seite echt ist, aber nicht unmöglich: Es gibt zahlreiche Seiten aus dem arabischen Raum, die PHP nutzen.

Streng überwacht

Das zweite Argument wiegt schwerer: 66.197.181.234 ist die Adresse eines amerikanischen Servers, der an das Sprintnet angebunden ist und wahrscheinlich in New Jersey steht. Die amerikanischen Behörden reagieren aber äußerst empfindlich auf islamistische Publikationen. Dass jemand eine El-Kaida-Website mehr als ein paar Tage betreiben könnte, ohne Besuch zu bekommen, darf man wohl ausschließen.

"Al-Bawaba", eine englischsprachige News-Seite, die sich "The Middle East Gateway" nennt, nimmt die Website trotzdem ernst: Sie läuft dort unter der Bezeichnung "Jihad online". Es wäre sogar möglich, dass die Seite "huckepack" reitet. Auch dafür gibt es Hinweise: Die Adresse ist auf den Namen eines Grafik-Designers registriert, der - neben seiner geschäftlichen Website - auch eine Hobbyseite für Rollenspiel-Fans betreibt. Diesen gibt er - wenn auch eingeschränkte - Publikationsmöglichkeiten auf seinem Webserver. Die vermeintliche El-Kaida-Website könnte also echt - und ein "Kuckucksei" sein. (APA)

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