Zehn Jahre der offiziellen Anerkennung

14. September 2002, 09:00
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... davor lagen für Roma und Sinti in Österreich Jahrhunderte der Verfolgung und der Verklärung

Wien - Die Roma und Sinti sind seit zehn Jahren in Österreich als Volksgruppe anerkannt. Einen entsprechenden formellen Akt kennt das österreichische Recht nicht, die Anerkennung erfolgt "de facto" durch die Errichtung eines Beirates. Ende September 1992 haben die vier Parlamentsparteien SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne die Anerkennung in einem Entschließungsantrag unterstützt, als "offizieller" Termin für die gesetzliche Anerkennung gilt der 16. Dezember.

Verfolgung und Verklärung

In Österreich geht die Geschichte der Roma und Sinti auf das 15. Jahrhundert zurück - gezeichnet einerseits durch romantische literarisch-musikalische Verklärung, andererseits durch soziale Diskriminierung, gesellschaftliche Ausgrenzung, politische und kulturelle Verfolgung.

Die Geschicke der Roma sind eng mit dem Burgenland verbunden, der überwiegende Teil der österreichischen Roma kommt aus dem östlichsten Bundesland. Dort, in Lackenbach, befand sich auch das größte "Zigeunerlager" der Nazis, in dem während des Zweiten Weltkrieges mehr als 4.000 Roma und Sinti inhaftiert waren.

Schätzungen

Offizielle Angaben über die Größe der Volksgruppe gibt es nicht, geschätzt werden 10.000 bis 20.000. Ihr größtes Anliegen ist eine bessere Ausbildung der Kinder, beginnend schon in den Kindergärten,

Im Jahr 1984 ist in Lackenbach ein Mahnmal errichtet worden. Damit kam ein Diskussionsprozess in Gang, der nicht nur die Besinnung auf den Holocaust an den Roma und Sinti gefördert, sondern diese auch selbst veranlasst hat, sich - zumindest vorsichtig - wieder zu ihrer Herkunft zu bekennen. Roma-Vereine wurden gegründet, die Anerkennung als Volksgruppe vorbereitet.

Oberwart

Der Glaube an die Zukunft ist durch einen brutalen Mordanschlag 1995 jäh gestoppt worden: Am 4. Februar detonierte an der Zufahrtsstraße zur Oberwarter Roma-Siedlung eine Sprengfalle, vier Roma wurden durch das Attentat getötet. Ein Gedenkstein mit dreisprachigem Text (Roman, Deutsch und Englisch) erinnert an das Geschehen.

Die Zahl der Burgenländer mit Roman als Umgangssprache hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Laut Volkszählung 2001 wuchs ihr Anteil von 95 Personen im Jahr 1991 auf 264. (APA)

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    foto: der standard/cremer
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