Wortgefecht zwischen Indien und Pakistan vor der UNO

13. September 2002, 19:31
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Vajpayee wirft Musharraf "nukleare Erpressung" vor

New York - Die beiden Atommächte Indien und Pakistan haben sich auf der Weltbühne der Vereinten Nationen ein heftiges Wortgefecht geliefert. Der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee warf Pakistan am Freitag "staatlich geförderten Terrorismus" und "nukleare Erpressung" vor. Indien werde damit gedroht, dass seine Bemühungen, dem grenzüberschreitenden Terrorismus in der umstrittenen Region Kaschmir Einhalt zu gebieten, "einen nuklearen Krieg provozieren könnten", sagte er.

Am Vortag hatte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf vor einer möglichen nuklearen Katastrophe in Südasien gewarnt. Er verwies vor der UNO-Vollversammlung in New York darauf, dass Pakistan und Indien über Atomwaffen verfügten und sagte, der Frieden in Südasien sei zur Geisel "einer strategischen Fehlkalkulation Indiens" geworden.

Versprechen

Musharraf bekräftigte sein Versprechen, dass Pakistan keinen neuen bewaffneten Konflikt mit Indien beginnen werde. "Doch wenn wir mit Krieg überzogen werden, dann werden wir unser Recht auf Selbstverteidigung vollständig und effektiv wahrnehmen."

Vajpayee beteuerte: "Niemand in unserem Land möchte Krieg, keinen konventionellen und auch keinen anderen." Zugleich warf er Pakistan vor, es habe Terroristen in die Kaschmir-Region geschickt und sei verantwortlich für die "Ermordung tausender unschuldiger Zivilisten, Frauen und Kinder, um damit eine bizarre Version von 'Selbstbestimmung' zu fördern".

Musharraf hatte Indien terroristische Methoden bei der Wahrung seiner Ansprüche auf die Region Kaschmir vorgeworfen. Zugleich hatte er sich für die Vereinbarung von "Maßnahmen für nukleare Zurückhaltung und für eine Balance der konventionellen Waffen zwischen Indien und Pakistan" ausgesprochen. Dies müsse Bemühungen um eine Beilegung des Streits um die geteilte Region begleiten. Darauf ging Vajpayee in seiner Rede nicht ein. (APA/dpa)

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