Bossi beißt

13. September 2002, 19:19
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Italienische Karikaturisten stellen Umberto Bossi gern als scharfen Hund dar. Als politisches Tier, das nicht nur bellt,... - Von Christoph Prantner

Italienische Karikaturisten stellen Umberto Bossi gern als scharfen Hund dar. Als politisches Tier, das nicht nur bellt, sondern auch beißt. Zuletzt schnappte Bossi nach seinen Koalitionspartnern - er drohte, alle Minister der Lega Nord aus Rom abzuziehen, falls eine Neuregelung des italienischen Ausweiswesens in Kraft tritt. Es könne nicht sein, dass sich die Italiener - wie Immigranten - für einen neuen Personalausweis Fingerabdrücke abnehmen lassen müssten.

Dass Bossi selbst diesen Gesetzesentwurf mit Vizepremier Gianfranco Fini ausgehandelt hat, tut wenig zur Sache. Italien befindet sich einmal mehr in einer veritablen Regierungskrise. Und es ist nicht mehr völlig auszuschließen, dass binnen weniger Wochen eine zweite Mitte-rechts-Regierung in der EU fallen könnte. - Zeigen die Umfragekurven nach unten, werden Rechtspopulisten in Regierungsämtern zu Angstbeißern. Das zeigt die hiesige Innenpolitik, das zeigt jetzt auch Italien.

Schon 1994 hat Umberto Bossi das erste Kabinett Silvio Berlusconis platzen lassen. Er kam nach nur sieben Monaten Koalition zum Schluss, dass mit dem Mailänder Unternehmer kein Staat zu machen sei. Seit seinem Wahlsieg im Vorjahr lässt Berlusconi Bossi deswegen stets die lange Leine, solange der nur brav die Mehrheit apportiert. Der Minister für Reformen durfte die EU ungestraft ein "Monster" nennen, gegen Ausländer hetzen und ungeniert "nach padanischer Sitte" poltern.

Sollte es jetzt erneut zum Bruch kommen, dann auch deswegen, weil Bossi es gewagt hat, sich mit der Kirche anzulegen. Deren Emissäre in der italienischen Regierung haben es durchaus in der Hand, der "vox populi" die "vox ecclesiae" entgegenzusetzen und die ohnehin taumelnde Regierung endgültig stürzen zu lassen. Berlusconi müsste dann ein zweites Mal feststellen, dass diejenigen, die sich mit Hunden ins Bett legen, mitunter mit Flöhen, aber ohne Mehrheit aufwachen.

(DER STANDARD, Printausgabe, 14/15.9.2002)

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