"Sie werden noch von uns hören . . ."

18. September 2002, 12:33
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Ein paar Geschäfte gehen ja doch: der Standard ließ sich von Robert Schächter, dem Managing Director der Euro Capital Partners Private Equity (ECP), in eine unternehmerische Nichtraunzerzone entführen, in der verständliche Botschaften für eine florierende Auftragslage sorgen

Anruf bei der österreichischen Hard- und Software-Schmiede AV Digital. Am Telefon: Wolfgang Gruber. Nach Namensnennung der Redakteurin ist er sofort im Bilde: "Sie haben ein Interview mit dem Chef gemacht. Der ist im Moment in Schanghai."

Das Auftragsvolumen für die Beschallung in der Magnetschwebebahn, die in sieben Minuten direkt vom Flughafen Pudong ins Schanghaier Finanzzentrum Lujiazui führt, betrage übrigens zwei Mio. EURO. Ein weiterer Auftrag in Fernost sei die Tontechnik für die Oper in Hanoi. "Demnächst werden wir uns hier mit ,xiansheng' (Anmerkung der Redaktion: chinesisch für Herr) ansprechen", plaudert der eloquente Mann aus der innerbetrieblichen Praxis.

Herr Gruber ist kaufmännisch projektverantwortlich bei AV Digital, einem aus dem Siemens-Konzern abgespaltenen Bereich, den der Geschäftsmann Robert Schächter vor zwei Jahren gekauft hat und nun als eigenständiges Unternehmen führt.

Auf der Firmenbroschüre prangen Slogans wie "Tonangebend", "Hören - Verstehen" und "Die Botschaft rüberbringen". "Dinge, die wir nach außen kommunizieren, müssen auch nach innen gelten. Es muss für jeden klar sein, welchen Teil der Arbeit er zu leisten hat", lautet Schächters Führungscredo.
Der Entrepreneur, der über die Euro Capital Partners (ECP) auch Anteile an der fms Datenfunk, einem in Europa führenden Unternehmen auf dem Sektor hoch qualitativer Vermittlungssysteme für Taxi- und Kurierflotten, dem Vakzine-Hersteller BioLife Science und der Österreichischen Staatsdruckerei hält, weiß: "In großen Unternehmen haben Mitarbeiter das Gefühl: ,Es liegt ja nicht an mir, ob es dem Unternehmen gut geht.'"

Verantwortung tragen

In seiner Antrittsrede bei AV Digital postulierte er daher vor den versammelten 40 Mitarbeitern: "Jeder ist zu 2,5 Prozent für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich." Die Message scheint gut angekommen zu sein: Wo sonst hebt der Projektleiter das Telefon ab, wenn die Sekretärin urlaubt?

Das inzwischen 50 Köpfe zählende Team überraschte Schächter, der von 1984 bis 1994 Geschäftsführer der Petromontan Umwelttechnik, 1994 bis 1999 General Manager der Rhone Poulenc Austria und der Rhodia Austria war, ehe er 1999 Managing Partner der ECP wurde, mit unkonventionellem Arbeits- und Kommunikationsstil: "Wenn wir Projekte und Strategien besprechen, gibt es nicht 17 Sitzungen und 24 Kommissionen. Gute Ideen werden sehr rasch vom Chef mit den Worten ,sitzt, passt, mach' ma!' in die Tat umgesetzt", erläutert Gruber.

"Mittlerweile fährt der Zug in die richtige Richtung", bilanziert Schächter zufrieden. "Der Zug besteht aus drei Waggons. Im ersten sitzen die Damen und Herren, die fest einheizen. Im zweiten die Mitfahrer. Im dritten die Bremser. Die haben wir in der ersten Phase in Waggon eins übersiedelt."

Zu den Referenzobjekten gehören unter anderem internationale Flughäfen, viele U-Bahnen und sogar der Berliner Reichstag.

Im weltweit wachsenden Vertraulichkeits- und Sicherheitsbedürfnis sieht Schächter einen fruchtbaren Boden für weitere Innovationen. "Sie werden noch von uns hören . . .", schließt der Prospekt der AV Digital. Und dieser Tage sorgt das Unternehmen mit der Neuentwicklung eines revolutionären digitalen Beschallungssystems, das Wide Area Networks mit mehreren Beschallungszentralen über Ethernet verbindet, für Aufsehen im internationalen Public-Address-Markt. (Johanna Zugmann/DER STANDARD, Printausgabe)

  • Robert Schächter, Managing Director der Euro Capital Partners Private Equity (ECP)
    foto: av digital

    Robert Schächter, Managing Director der Euro Capital Partners Private Equity (ECP)

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