Blumenweg zum Burgstall

13. September 2002, 19:24
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Zwischen Felsen über dem Tiroler Stubaital thront ein Garten Eden

Bernd Orfer

Wie eine Festung ragt die felsige Kuppe des Hohen Burgstall bei Fulpmes im Stubaital in den Himmel, und diesem seinem Aussehen verdankt der Berg seinen Namen. Er ist ein hervorragender Aussichtspunkt, der zudem relativ leicht erstiegen werden kann, weil einem die Seilbahn den Aufstieg bis in rund 2000 Meter Höhe abnimmt.

Ein bisschen abweisend scheint der Burgstall vom Ausgangspunkt, der Bergstation, zu sein, doch der Eindruck täuscht. Trotz der felsigen Szenerie in der Gipfelregion macht seine Besteigung keine Schwierigkeiten, ein paar Stellen sind zusätzlich mit Seilen gesichert.

Vom höchsten Punkt des Berges genießt man eine einmalige Rundsicht. Zum Panorama gehören die vergletscherten Gipfel der Stubaier und Zillertaler Alpen, die Kalkkogel mit der markanten Schlicker Seespitze, ein Teil der Nordtiroler Kalkalpen, die Serles sowie Bereiche des Wipp- und des Inntales.

Es gibt einen weiteren triftigen Grund für die Besteigung des Hohen Burgstalls: die reiche Blumenwelt. Man glaubt, durch einen Garten Eden zu schreiten, der in allen Farben leuchtet. Da nimmt man auch gerne in Kauf, dass man vom Sennjoch bis knapp vor die Starkenburger Hütte durch Lawinenverbauungen gehen muss, denn der Blick wird immer wieder von den Bergen und Blumen angezogen. Da die Runde relativ kurz ist, hat man genügend Zeit und Muße, die Schönheiten zu genießen und zu bewundern.

Man braucht für diese Wanderung gutes Wetter, denn man bleibt beim Abstieg lange im Kammbereich, was bei Gewittern sehr unangenehm werden kann. Die Ausrüstung muss hochalpinen Anforderungen entsprechen.

Die Route:

Man fährt von Fulpmes mit der Seilbahn bis zum Kreuzjoch nahe den Krinnenköpfen und steigt dann auf schmalem, rot markiertem Weg zum Sennjoch auf. Dort hält man sich bald links und quert einen langen Hang mit vielen Lawinen- verbauungen bis zur Starkenburger Hütte, die auf einem Kamm liegt. Gehzeit ab Bergstation 1¾ bis 2 Stunden. Nun folgt ein steiler Anstieg in vielen Kehren auf den Gipfel des Hohen Burgstall, wofür man etwa eine Stunde braucht. Beim Abstieg hält man sich in Richtung Niederer Burgstall, dessen Gipfel aber nicht betreten, sondern an der rechten (östlichen) Seite umgangen wird. Man erreicht das Sennjoch und kehrt auf bekanntem Weg zur Bergstation zurück. Ab Hohem Burgstall 1¾ bis 2 Stunden.
Gesamtgehzeit 4½ bis 5 Stunden, Höhendifferenz 700 m. Die Starkenburger Hütte ist in der Saison durchgehend bewirtschaftet. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 147 (Axams) und 148 (Brenner).

(DER STANDARD, Printausgabe, 14./15. 9. 2002)
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