Einfach der Hammer

13. September 2002, 20:25
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Auktionshöchstpreise 1959-2002: Rembrandt, Van Gogh, Schiele

Die Sensation war perfekt, als Christie's am 27. November 1979 Velasquez' Bildnis des Dieners Juan de Pareja für sagenhafte 2,31 Millionen Pfund zuschlug. Bis dahin hatten sich die Top-Auktionspreise im Bereich von 100/ 500.000 Pfund bewegt. 1959 betrug der höchste Zuschlag 275.000 Pfund für Rubens "Anbetung der Könige", 1960 nur 130.000 Pfund für Gainsboroughs "Mr. and Mrs. Robert Andrews in the Park" (beide Sotheby's). Erst 1965 sollte ein Ergebnis alles Bisherige in den Schatten stellen: 760.000 Pfund hinterlegte ein Bieter für Rembrandts Porträt seines Sohnes Titus bei Christie's. Ein Pfund im Jahr 1965, das entspricht 11,06 Pfund von 1998, gemessen am heutigen Wert würde sich der inflationsbereinigte Rembrandt-Zuschlag auf 8,4 Millionen Pfund belaufen.

Der Velasquez-Preis - aktueller Wert 20,4 Millionen Pfund - blieb für die nächsten zehn Jahre federführend. Erst Turners "Juliet und ihre Amme", das im Mai 1980 bei Sotheby's in New York bis auf 2,84 Pfund gesteigert wurde, löste das bisherige Spitzenergebnis ab. Der neue Höchstpreis galt allerdings nur in absoluten Zahlen, denn die Inflation hatte den Pfundkurs in den Keller getrieben. Von 1980 an kletterten die Preise in ungeahnte Höhen - bis 1990: auf dem Gipfel des Spekulationsbooms wechselte Van Goghs "Dr. Gachet" bei Christie's in New York für umgerechnet 44,3 Millionen Pfund den Besitzer. In absoluten Zahlen wurde Van Gogh heuer von Rubens abgelöst. Sotheby's London lukrierte Anfang Juli 45 Millionen Euro für den "Kindermord". Inflationsbereinigt hält dennoch "Dr. Gachet" die Spitzenposition, der damalige Zuschlag entspricht heute fast 58 Millionen Euro, womit der "Kindermord" auf Platz fünf rangiert. New York vor London also?

Das war nicht immer so. Bis 1980 wurden die Spitzenzuschläge vorwiegend in London erteilt, dann begann der Standort New York kräf- tig mitzumischen. 15 von den aktuellen 20 Höchstpreisen wurden ebendort zugeschlagen, davon fiel neunmal der Hammer für eine Arbeit von Pablo Picasso. Auch im Hochpreissegment der französischen Impressionisten ist der amerikanische Markt (2000: 376 Mio Euro) trotz Baisse führend geblieben. Obwohl die Nachfrage Ende der 80er Jahre zurückging, stieg im selben Zeitraum der Durchschnittspreis eines Impressionisten von 500.000 auf 2,3 Millionen US-Dollar.

Eine von den Veranstaltern der TEFAF (The European Fine Art Fair, Maastricht) in Auftrag gegebene Studie weist für das Jahr 2001 einen allgemeinen Durchschnittspreis pro versteigertem Kunstwerk von 61.657 US-Dollar in den Vereinigten Staaten gegenüber 9.005 US-Dollar in Europa auf. Im europäischen Vergleich setzte sich Österreich vergangenes Jahr mit durchschnittlich 6.980 Euro pro Kunstwerk sogar vor Deutschland mit 6.148 Euro. 1998 ist der Unterschied noch krasser: 8.105 Euro (Österreich) gegenüber 6.150 Euro (Deutschland). Aus diesem Jahr stammte aber auch der bisher höchste jemals in Österreich erteilte Zuschlag: knapp 3,125.000 Euro hinterlegte Rudolf Leopold für Egon Schieles Mädchen von 1917 bei den Wiener Kunstauktionen. So grandios dieses Ergebnis scheint, es war nicht unter realen Marktbedingungen verkauft worden. Das obligate Ausfuhrverbot verhinderte eine internationale Beteiligung - nicht auszudenken, in welche Höhen der Preis vielleicht abgedriftet wäre.
(Olga Kronsteiner/DER STANDARD; Printausgabe, 14.09.2002)

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