Niemand will den Spielball "Wien-Mitte"

13. September 2002, 19:08
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Kritik am Projekt hält an - Vermietung offen

Wien - Die Investoren rund um die Bank Austria Immobilien-Gesellschaft "BAI" beharren darauf, in Wien-Mitte zu bauen. Hat ihnen doch die Stadt alle Genehmigungen erteilt. Gegner versuchen das ihrige, dies doch noch zu verhindern. Das Bauprojekt mit den vier Türmen, um deren Höhe seit Monaten gefeilscht wird, bleibt Spielball der kommunalen Planungen.

Schon bald soll der erste der bis zu 97 Meter hohen Türme stehen. Er soll in eineinhalb Jahren fertig sein, weil er "zur Gänze an das Bundesministerium für Justiz vermietet wurde", wähnt sich Wien-Mitte-Sprecher Roman Rusy in Sicherheit, dass auch in den anderen Türmen alle Flächen lukrativ vermietet werden können. Damit will Rusy Presseberichte relativieren, wonach für das umstrittene Geschäftszentrum keine Mieter zu finden seien. "Es ist nicht üblich, dass vier Jahre im Vorhinein Mietverträge über Büroflächen abgeschlossen werden", entgegnet Rusy. Es sei noch zu früh - "es stellt sich de facto noch niemand an" für Mietverträge. Mit weiteren Infos zum Stand des Projekts geizt der Sprecher.

Diese "Informations"-politik liegt nicht nur Baugegnern schwer im Magen. Immer wieder tauchen daher Vorwürfe Unzufriedener auf, dass das Projekt "unter den Mächtigen dieser Stadt ausgeschnapst wurde". Nicht zu vergessen: Auch die Unesco hat Bedenken, was das Weltkulturerbe "Innere Stadt" anlangt. Michael Petzet, Präsident des Fachbeirats, der die Unesco berät, will nie über das wahre Ausmaß von Wien-Mitte informiert worden sein.

Die Kritik hat nun zu einem offenen Brief einiger Architekten an Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) geführt. So sei eine Diskussion zum Bauvorhaben, welches bis vor kurzem in einer Ausstellung im Architekturzentrum zu sehen war, von einem Investorenvertreter abgelehnt worden. Die Briefschreiber rügen auch Schicker: Die Stadt müsse ihr Verhalten im Umgang mit Wien-Mitte überdenken. Das Projekt habe "Irritationen in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen" verursacht. Wiederholt wird die Phantasielosigkeit bei der Gestaltung der Bürotürme kritisiert. Unabhängig davon wie der Spielball zur Konzeption und zum Bau von Wien-Mitte herumgereicht wird - an BAI-PR-Mann Roman Rusy prallt die Kritik ab: "Das Projekt bleibt wie es ist. Das gilt auch für die Turmhöhe." (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15. 9. 2002)

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