Dem Volk aufs Maul geschaut

13. September 2002, 18:57
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Parteinähe der Umfrageinstitute

Berlin - "Allensbach!" schallte es in den vergangenen Wochen jenen entgegen, die auf den Aufwärtstrend der SPD verwiesen. Als einziges von fünf Umfrageinstituten sah Allensbach die SPD klar hinter der Union. Ende August klaffte die Schere bei der Bewertung der SPD am weitesten auseinander: Allensbach gab den SPD-Wert mit 31,9 Prozent an, Forsa mit 38 Prozent. Vergangenen Mittwoch konstatierte auch Allensbach einen Gleichstand von SPD und Union bei 37 Prozent.

Im Gegensatz zu den anderen Instituten führt Allensbach keine Telefoninterviews sonders eine persönliche Befragung durch. Als einziges Institut veröffentlicht Allensbach Zahlen hinter dem Komma und hinterlegt aber laut Angaben von Forsa-Chef Manfred Güllner keine Daten beim Zentralarchiv in Köln.

Die Zuordnung

Auch wenn alle Umfrageinstitute für sich reklamieren, unabhängig zu sein, gibt es unter politischen Beobachtern eine Einordnung der Institute: Allensbach gilt klar der Union zugeneigt. Die inzwischen pensionierte Chefin des Allensbach-Instituts, Elisabeth Noelle-Neumann, war als Helmut Kohls "Kanzler-Glucke" bekannt. Sie rief übrigens schon zwei Monate vor der Wahl Edmund Stoiber zum Sieger aus - in der Bild-Zeitung. Auch eher der derzeitigen Opposition zugeneigt gilt Emnid. Als SPD-nahe wird das Forsa-Institut schon deshalb eingestuft, dessen Chef Manfred Güllner mit Gerhard Schröder befreundet ist.

Infratest/dimap und die Forschungsgruppe Wahlen, die für ARD und ZDF auch am Wahlabend Prognosen und Hochrechnungen erstellen, gelten allgemein als unabhängig. Doch am genauesten hatte 1998 Allensbach das Ergebnis der Bundestagswahl vorausgesagt. Dies wird inzwischen von CDU/CSU-Anhängern nicht mehr erwähnt. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.9. 2002)

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