Nur wenig Lust auf Alternativen

22. September 2002, 23:08
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Zwei Prozent haben Stromanbieter gewechselt

Wien - Zwar besteht seit der vollständigen Öffnung des Strommarktes im Oktober 2001 in Österreich Wahlfreiheit des Stromanbieters auch für Haushalte, aber nur eine Minderheit nutzte bis jetzt die Möglichkeit, zwischen zahlreichen Stromanbietern den preisgünstigsten zu wählen. Von etwa drei Mio. Haushalten wechselten nur rund 50.000, also ein bis zwei Prozent, zu alternativen Anbietern.

Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: zu viel Bürokratie und zu wenig Preisdifferenz. "Für einen privaten Haushalt ist die Ersparnis zu gering und würde den Aufwand nicht lohnen", sagt Karl Lechner, Angestellter aus Niederösterreich. Anders sehen das Umsteiger. Die Ersparnis sei zwar nur geringfügig, so Guntram Messner, Gemeindeangesteller aus Vorarlberg, der bereits im Oktober zu Alternativanbieter Switch wechselte und mit seiner Wahl zufrieden ist. "Dafür, dass mir der Umstieg keinerlei Aufwand verursachte, da Switch sämtliche Formalitäten übernahm, rechnet sich auch eine geringe Ersparnis."

Erfahrungen nicht nur positiv

Die Erfahrungen, die Umsteiger mit Alternativunternehmern gemacht haben, sind jedoch nicht nur positiv. Josef Schubert, Saisonarbeiter aus Wien, berichtet von chaotischen Zuständen bei der Zahlung beziehungsweise der Abbuchung des Rechnungsbetrages, die ihn dazu brachten, nach nur zwei Monaten beim Alternativanbieter Raiffeisen Ware Wasserkraft wieder zu seinem vorherigen Stromlieferanten Wienstrom zurückzukehren. Aber auch die Art des Kundenerwerbs sei fragwürdig. "Ich wurde in einer Art von Blitzüberfall an der Haustür von Vertretern überrumpelt, ich hatte kaum eine Möglichkeit, mir alles gründlich zu überlegen", so Schubert.

Der steirische Stromversorger Steweag-Steg hat gegen den Konkurrenten Switch Klage wegen solcher "Keilermethoden" eingebracht. Switch jedoch weist die Vorwürfe entschieden zurück. (cbr, DER STANDARD, Printausgabe 14.9.2002)

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