Gute Noten für Liberalisierer

13. September 2002, 18:41
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Regulator: Volle Ersparnis bei Gas erst in zwei Jahren - Geringere Wechselraten erwartet

Wien - Gute Noten für die Liberalisierung des Strommarktes erteilt E-Control-Chef Walter Boltz der Regierung. Die von Wirtschaftminister Martin Bartenstein (VP) zugesagte Preisersparnis für einen Durchschnittshaushalt (ein "Tausender", also 72,76 Mio. Euro, Anm.) sei nahezu Realität geworden.

Beim Gas werde es wohl zwei Jahre dauern, bis die versprochene Ersparnis von 100 Euro greift, meint der oberste Energieregulator: Auch die Zahl der Wechsler werde geringer sein als beim Strom, auch weil die Zeit der Liberalisierungsvorbereitungen sehr kurz gewesen sei. Schließlich wurde das Gaswirtschaftsgesetz (GWG) erst im August verabschiedet.

Bis auf einen Anbieter, in der Branche tippt man auf die EVN, werden erste Angebote wohl erst gegen Jahresende eintrudeln. Boltz glaubt aber, dass die nötigen Verordnungen ebenfalls bis Ende Dezember stehen. "Ob sich das vor den Wahlen ausgeht oder nicht, ist offen." Einige wichtige Bestimmungen für das Funktionieren des freien Gasmarktes seien fertig, der Markt werde funktionieren.

Rechenbeispiel

Dass sich merkliche Verbilligungen ausgehen, belegt der Regulator anhand eines Rechenbeispiels. Würde der Gaspreis auf einen Österreich-Schnitt gesenkt, würde der Wegfall der nicht durch Kostenunterschiede erklärbaren Preisdifferenz insgesamt 180 Mio. Euro betragen. Besonders der massive Preisunterschied (fast 20 Prozent) zwischen Grazer Stadtwerken und der steirischen Ferngas sei betriebswirtschaftlich allein nicht gerechtfertigt, Boltz vermutet Quersubventionen.
Eng wird es auch bei der Festlegung der Details der im Ökostromgesetz geregelten Förderung für erneuerbare Energien. Schließlich gilt die neue österreichsweite Regelung schon ab 1. Jänner 2003. Wenn bis Jahresende nicht alle Verordnung (besonders die Einspeisetarife) fertig sind, könnten die Grünstrom-Erzeuger plötzlich finanziell auf dem Trockenen sitzen.

Für Diskussionen sorgen könnten auch noch möglicherweise unterschiedliche Ökostrom-Zuschläge für Haushalte und Industrie. Die im Gesetz vorgesehene Spreizung könnte auch vom Minister verordnet werden, sagte Boltz am Freitag vor Journalisten. Eine solche Spreizung werde wohl für politische Diskussion sorgen.

Der Zuschlag, den die Kunden 2003 über die Netztarife für Ökostrom zahlen, werde zwischen 0,25 und 0,30 Cent je Kilowattstunde (kWh) liegen. Heuer wurden nach alter Regelung je nach Bundesland Zuschläge zwischen 0,2 Cent und 0,8 Cent eingehoben. (rose, DER STANDARD, Printausgabe 14.9.2002)

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