Weil der Winter früh genug ins Land zieht

13. September 2002, 19:29
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Österreichs schnelle Skidamen haben eine Woche lang in Lignano gesportelt ...

Lignano - Elia Zoccarato konnte und wollte seinen Stolz nicht verbergen. Er ist Präsident des Skiclubs Lignano, der heuer sein 25-Jahr-Jubiläum feiert, und es hat ihm, Herrn Zoccarato, schon sehr getaugt, mit den österreichischen Skidamen einen zu heben. Aber wirklich nur einen, denn die Damen sind nicht zum Spaß hier, wenngleich die Arbeit mitunter durchaus vergnüglicher Natur ist. Zu dieser zählt, global gesehen, auch der Cocktail im Hotel Atlantic, welches überraschenderweise an der Adria liegt.

Den Damen ist eine gewisse Erleichterung anzumerken, und sie halten damit auch nicht hinter dem Berg. Sie haben heuer einen neuen Chef bekommen. Ihr alter, der eiserne Karl Frehsner, ist zurück zu den Schweizern gegangen, und Herbert Mandl, der zuletzt Österreichs Riesenslalom- und Super-G-Herren trainiert hat, wirkt ab heuer als Rennsportleiter der Damen. In Lignano übte die schnelle Abteilung (RTL, Super-G, Abfahrt): Michaela Dorfmeister, Gitti Obermoser, Selina Heregger, Ingrid Rumpfhuber, Kathrin Wilhelm, Katja Wirth, Eveline Rohregger. Drei fehlten. Alexandra Meissnitzer wegen einer Nebenhöhleneiterung, Tanja Schneider wegen einer Blasenentzündung, und Renate Götschl, die wegen ihrer schweren Knieverletzung einen ganz anderen Stundenplan hat, die Woche mit freiem Skilauf in Sölden verbrachte.

Bernd Zobel macht den Trainer dieser Abteilung, und weil er seit Jahren ab und zu in der Enoteca des Herrn Scarpa vorbeischaut, verbindet er nun das Vergnügen mit dem Nützlichen, denn der Bruder des Enoteca-Scarpa führt das Atlantic. An sich planten sie hier ja eine Regenerationswoche, doch weil sie wetterbedingt vorzeitig vom Schneetraining in Chile abreisten, ist eine echte Konditionswoche daraus geworden. Ausdauereinheiten am Ergometer, der Sprungkoordination dienende Übungen, Handlungen, die der Verbesserung der Gewandtheit und des Gleichgewichts dienen, Beachvolleyball, Inlineskaten oder Hallenfußball standen auf dem Programm, und die Pulsuhr war immer dabei. Mandl meint, dass sie sich im Vergleich zum Vorjahr in körperlicher Hinsicht stark verbessert haben, aber das sollten motivierte Profis ohnehin jedes Jahr tun. Mandl, der seit den Achtzigerjahren im Trainergeschäft ist, beispielsweise auch die Damen Norwegens betreut hat: "Burschen sind initiativer, vor allem beim Material. Mädchen sind skeptischer, man muss sich ihr Vertrauen erarbeiten." Vorschussweise hat er es schon.

Mandl hat prinzipiell einen Vertrag für drei Jahre, sein übergeordnetes Ziel ist der Weltcup, weil im Winter aber auch die Weltmeisterschaft in St. Moritz ansteht, ist ihm klar: "Ohne WM-Medaillen kann man nicht leben." (DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, Sonntag, 14., 15. September 2002, Benno Zelsacher)

... Sie waren Strandläuferinnen, Inline-skaterinnen, Beachvolleyballerinnen, koordinierte Springinkerln im Wasser und natürlich auch im Kraftkammerl.
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    Österreichs Skidamen (v.l.n.r.): Selina Heregger, Katrin Wilhelm, Ingrid Rumpfhuber, Gitti Obermoser, Michaela Dorfmeister, Katja Wirth und vorne (mit baumelndem Fuß) Evelin Rohregger.

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