Zu wenige Lotsen für Flugverkehr

13. September 2002, 19:23
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Personalvertreter kritisieren Flugsicherung

Wien - Alleine in Europa würden 1600 Fluglotsen zu wenige im Einsatz sein, um den Luftverkehr sicher koordinieren zu können. Diese Zahl hat Björn Neher, Präsident der europäischen Fluglotsenvereinigung anlässlich einer internationalen Fluglotsenkonferenz in Wien im STANDARD-Gespräch bekanntgegeben. Berücksichtige man noch den Bedarf an Flugpersonal in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, so käme er auf 2200 zusätzliche Fluglotsen.

Drastische Auswirkungen des Personalmangels und des wachsenden Flugverkehrs seien vor in Großbritannien zu beobachten: "51 Prozent der Verspätungen in Europa" würden über die dortige Sicherungszentrale produziert.

Zentrale Überwachung

Derzeit wird in Schwechat ein Flugtower errichtet, von dem aus ab 2007 der Luftraum in 10 000 Meter Höhe über Zentraleuropa gemeinsam überwacht werden wird. Niedrigere Flughöhen werden weiterhin national koordiniert. Am Projekt "Ceats" (Central European Air Transport Services) beteiligen sich Österreich und die umliegenden Staaten. Fluglotsen aus Italien, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Kroatien und Bosnien-Herzegowina haben anlässlich der Wiener Konferenz Kritik an den Entwicklungen im Flugverkehr geübt.

Es gebe keine einheitliche Ausbildung für Fluglotsen in den Ceats-Ländern wie etwa Tschechien, Ungarn, Kroatien, Italien oder Österreich. Personalstopps in manchen Ländern brächten weniger Kapazitäten und damit weniger Sicherheit in der Luftraumüberwachung, kritisiert Neher. Alfred Vlasek und Haris Usanovic , die Vertreter der österreichischen Fluglotsen, fordern mehr gewerkschaftliche Mitsprache bei der Verwirklichung einer gemeinsamen Flugsicherung im gesamten EU-Raum. "European Single Sky" soll eine einheitliche Überwachung unabhängig von der Flughöhe bringen.

Bis jetzt habe sich nur die Sicherungsbehörde Eurocontrol zu Gesprächen bereit erklärt, national gäbe es kein Interesse die Lotsen einzubeziehen, bemängelt Usanovic die Kooperation mit dem österreichischen Infrastrukturministerium und der Austro Control. Bei Austro Control verweist man darauf, dass die Zahl der Fluglotsen leicht erhöht werde.

Zustimmung

Keineswegs negativ steht Lotsensprecher Björn Neher dem "European Single Sky" innerhalb der EU gegenüber. Er hält ihn sogar "für das Ideale auf lange Sicht, wenn für das ganze Personal gleiche Bedingungen gelten".

Zufrieden zeigt Neher sich auch mit Richtlinien zur Flugsicherheit, die erst Anfang September vom europäischen Parlament beschlossen wurden und ab 2004 gelten sollen. 80 Prozent der Forderungen der Fluglotsen seien berücksichtigt worden. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15. 9. 2002)

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