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13. September 2002, 17:55
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Wie die Zentralen von SPD und Union den Wahlkampf organisieren

Berlin - "Vergessen Sie doch einmal Herrn Spreng und sprechen Sie als wahrer Edi Stoiber", forderte der grüne Außenminister Joschka Fischer den Kanzlerkandidaten am Freitag im Bundestag auf. Auch die Konkurrenz führt das Auftreten Edmund Stoibers im Wahlkampf auf den Einfluss des früheren Bild am Sonntag-Chefredakteurs Michael Spreng zurück. Spreng zieht im Hintergrund die Fäden - durchaus geschickt, wie auch die SPD-Wahlkämpfer anerkennen. Er hat Stoiber geraten, nicht mit rechten Sprüchen und nicht zu bayerisch aufzutreten.

Das so genannte Stoiber- Team um Spreng, das im zweiten Stock des Adenauerhauses sitzt, besteht aus neun Personen und ist die Verbindung zwischen München und Berlin. Sämtliche 125 Mitarbeiter der CDU-Zentrale sind für den Wahlkampf eingespannt.

Die Angehörigen der "Abteilung Feindbeobachtung" sind derzeit ständig unterwegs, um bei Auftritten von Gerhard Schröder oder anderen SPD-Politikern zentrale Aussagen mitzuschreiben und in die Zentrale weiterzuleiten, wo versucht wird, diese binnen 20 Minuten zu widerlegen und als "rapid response" ins Internet zu stellen.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. In der Kampa, der ausgegliederten SPD-Wahlkampfzentrale, ist der "Bereich Konkurrenzbeobachtung" dabei, Stoiber-Reden aufzuzeichnen. Dann werden möglichst prominente SPD- Politiker gesucht, die diese oder jene Aussage Stoibers kritisieren, was als Email an Journalisten verschickt wird.

Insgesamt 120 Leute arbeiten unter der Leitung von Bundesgeschäftsführer Matthias Machnig, der Schröder organisatorisch unterstützt. Persönliche Beratung der Kampa nimmt er nicht in Anspruch. Schon vor Schröders Antikriegskurs wurde die Entscheidung getroffen anders als 1998 auf einen "War-Room" zur Krisenintervention zu verzichten. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15. 9. 2002)

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