"An zweiter Stelle auf jeden Fall eine Frau"

13. September 2002, 18:02
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Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner im STANDARD-Interview: Wahlkampfthemen Privilegien, Ausländer- frage, Integrationspaket

Ursula Haubner, freiheitliche Umwelt- und Frauenlandesrätin in Oberösterreich, rückt wieder zur Stellvertreterin ihres Bruders Jörg Haider in die Bundes-FPÖ auf. Dort will sie eine starke Stimme für die Frauen- und Familienpolitik sein, sagte sie zu Lisa Nimmervoll.

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STANDARD: Sie waren bereits von 1999 bis zur Amtsübergabe an Susanne Riess-Passer im Jahr 2000 eine der damals sechs Stellvertreterinnen Ihres Bruders an der Parteispitze. Warum ein zweites Mal?

Haubner: Ich bin von einigen Mitgliedern des Vorstandes vorgeschlagen worden und habe mir gedacht, in etwas schwierigeren Zeiten ist es wirklich notwendig und wichtig, dass wir alle zusammenstehen und jeder seine eigene Befindlichkeit zurückstellt. Vor allem aber, weil ich glaube, dass wir in den letzten zweieinhalb Jahren auf Bundesebene eine sehr erfolgreiche Frauen- und Familienpolitik gemacht haben. Dafür soll es in der Partei weiter ein starkes Wort geben.

STANDARD: Sind Sie ein bewusstes Signal an die Frauen?

Haubner: Ich bin eine Frau, die zu dem steht, was sie sagt, und ich habe versucht, sehr viel für die Frauen in den letzten Jahren zu machen. Außerdem bin ich Sprecherin der Inititiative Freiheitlicher Frauen. Daher war es für mich eigentlich selbstverständlich, dieses Angebot anzunehmen.

STANDARD: Es gab das Gerücht, Sie und Herbert Haupt könnten als Spitzenduo auftreten.

Haubner: Das stand nie zur Debatte. Ich möchte aber, und werde das auch vorschlagen, dass an zweiter Stelle auf jeden Fall eine Frau kandidiert, um das transportieren zu können, was wir unter Politik für Frauen verstehen. Das ist auch im Sinne von Herbert Haupt.

STANDARD: Würden Sie selbst kandidieren?

Haubner: Wenn es um einen Spitzenplatz für eine Frau geht, dann soll es sich nicht auf Ursula Haubner beschränken. Wir haben genug kompetente Frauen im Nationalrat und in den Ländern. Ich bin außerdem bis zur Landtagswahl 2003 in Oberösterreich als Landesrätin tätig.

STANDARD: Welche Frau könnten Sie sich vorstellen?

Haubner: Namen möchte ich noch nicht nennen. Aber die Frau Staatssekretärin Mares Rossmann ist für mich eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben gestanden ist, das kommt einem immer zugute, wenn man in die Politik geht. Aber Sie wissen ja, es ist nie so gut, wenn man als Kandidat oder Kandidatin gehandelt wird - da gehöre ich ja auch dazu. (Lacht.)

STANDARD: Sie wurden schon bei der letzten Wahl als Sozialministerin ins Spiel gebracht. Würden Sie diesmal Ja sagen?

Haubner: Diese Frage stellt sich für mich gar nicht, denn wenn wir wieder in der Regierung sein sollten, dann ist für mich klar, dass Herbert Haupt wieder Sozialminister ist.

STANDARD: Fanden Sie es gut, einen Mann als Frauenminister zu installieren?

Haubner: Ich hab nie ein Problem gehabt damit.

Minister Haupt hat großes Verständnis eingebracht und ist einer, der den Frauen zuhört, Dinge aufgreift und sie gemeinsam umsetzen will. Das ist mir viel wichtiger als vielleicht eine Frau an der Spitze, die glaubt, alles richtig zu machen, aber nicht zuhört.

STANDARD: Wäre für Sie auch jemand anderer als Haider als Parteiobmann vorstellbar gewesen?

Haubner: Jörg Haider ist der wichtigste Mann in der FPÖ, wenn man sich die Geschichte anschaut, und er hat sich sehr viele Verdienste erworben. Er ist einfach ein Teil dieser FPÖ, aber es wäre falsch, die FPÖ nur auf ihn zu reduzieren. Daher sage ich: Jörg Haider ist ganz wichtig. Aber zu sagen, die FPÖ ist Jörg Haider, ist nicht richtig. Die FPÖ ist in den letzten Jahren gewachsen, er hat sie auf eine breite Basis gestellt mit vielen wichtigen Persönlichkeiten.

STANDARD: Wie soll es jetzt mit der FPÖ weitergehen?

Haubner: Wir müssen den Weg einer konstruktiven Reformarbeit, den wir 1999 begonnen haben, fortsetzen. Da haben wir noch einiges vor uns: Privilegien, Ausländerfrage, Integrationspaket.

STANDARD: Sie galten als Riess- Passer-Mentorin. Haben Sie seit ihrem Rücktritt schon mit ihr gesprochen?

Haubner: Ich war nie die Mentorin von der Vizekanzlerin, sondern Jörg Haider hat ihr diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, weil er sie 15 Jahre als engagierte Mitstreiterin gekannt hat und wusste, dass er sich auf sie verlassen kann. Das hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Ich hab’ mit Susanne noch nicht gesprochen. Aber ich muss sagen, es tut mir wirklich Leid, dass es zu diesem Rücktritt gekommen ist, der für mich doch nicht ganz verständlich ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 14/15.9.2002)

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    Ursula Haubner: "Wir haben genug kompetente Frauen im Nationalrat und in den Ländern"

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