Betrugsskandal: Ermittlungen gegen Wiener Tierschutzverein

13. September 2002, 15:45
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Aus Spenden finanzierter Neubau verschlang statt sieben Millionen bis an 17 Millionen Euro - Bauschäden exklusive...

Wien - Im Zusammenhang mit dem Neubau des Wiener Tierschutzhauses hat jetzt die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen in die Wege geleitet. Das Gebäude in Vösendorf, das ursprünglich sieben Millionen Euro kosten hätte sollen, soll bis zu seiner Fertigstellung angeblich bis zu 17 Millionen Euro verschlungen haben.

Anzeige eines früheren Vorstandsmitglieds

Nach einer Anzeige eines früheren Vorstandsmitglieds sieht sich nun der vor allem von Spenden finanzierte Wiener Tierschutzverein dem Verdacht des schweren Betrugs, der Untreue und der Krida ausgesetzt.

Vereinspräsidentin Lucie Loube entsetzt

Vereinspräsidentin Lucie Loube zeigte sich über die jüngsten Entwicklungen entsetzt. "Ich habe nur für die Tiere gebaut, nicht für mich! Ich habe kein schlechtes Gewissen", meinte sie am Freitag im Gespräch mit der APA. Man habe den Auftrag zur Neuerrichtung einem Bauträger mit einem tadellosen Namen übergeben, "der dann viel zu hoch und teuer gebaut hat", so Loube.

Man habe die Vorgänge zwar "immer kontrolliert" und die explodierenden Kosten "natürlich am Ende bemerkt", meinte die Präsidentin weiter: "Aber was hätte ich da machen sollen? Ich kann dann doch nicht aufhören zu bauen!"

Sie ist sich keines schuldhaften Verhaltens bewusst: "Ich habe Vertrauen zum Gericht, dass sich bei einer Prüfung zeigen wird, dass an den Vorwürfen nichts dran ist."

Teure Finanzverwaltung

Der Anwalt des Wiener Tierschutzvereins, Hans Otto Schmidt, will unterdessen mit einer ergänzenden Sachverhaltsdarstellung die Sachlage zu Gunsten des aktuellen Vereinsvorstands klären. Er versteht etwa nicht, weshalb mit einem Erlös von immerhin 4,65 Millionen aus dem Verkauf des alten Tierschutzhauses am Klehslplatz in Wien-Meidling nicht einfach ein Bankkredit aufgenommen wurde, um das neue Projekt zu finanzieren, wie er am Freitag darlegte. Statt dessen wären eine Leasingfirma und ein mit dieser in einem "Naheverhältnis" stehendes Baubetreuungs-Unternehmen eingeschritten, was die Kosten in die Höhen getrieben hätte, so Schmidt gegenüber der APA.

Bauschäden

Erschüttert zeigt sich der Anwalt über den Zustand des fertig gestellten Gebäudes in Vösendorf, das einem Gutachten zufolge Bauschäden von bis zu drei Millionen Euro aufweisen soll. "Die Heizung funktioniert nicht, die Rohre sind verrostet. Es ist unglaublich. Jetzt kommt der Winter. Für die Tiere ist das eine Katastrophe", meinte Schmidt. (APA)

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