EDOK-Affäre: Gefängnispause für Imbiss- Stand

13. September 2002, 15:13
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Strafaufschub für neuen Existenzaufbau - Früherer Ex-Chefinspektor plant Gastro-Karriere...

Wien - Am vergangenen Freitag wurde der frühere Chefinspektor der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK), Johann H., im Wiener Landesgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Davon wurden zehn Monate unbedingt ausgesprochen.

Gefängsnispause

Der ranghohe Mafia-Fahnder hatte einen mutmaßlichen Paten der polnischen Mafia begünstigt und sich von einem russischen Geschäftsmann bestechen lassen. Seit April war der 46-Jährige in U-Haft gesessen, so dass er an sich noch rund fünf Monate verbüßen müsste. Am Donnerstag, öffneten sich allerdings für Johann H. die Gefängnistore.

Planung vom Gefängnis aus

Verteidiger Farid Rifaat hatte für seinen Mandanten einen Strafaufschub von neun Monaten beantragt. Der Ex-Polizist möchte sich mit Hilfe seiner Ehefrau eine neue berufliche Existenz aufbauen, nachdem er endgültig aus dem Staatsdienst ausgeschieden ist. Er will ein Imbisslokal eröffnen und hat bereits in der U-Haft begonnen, diese Pläne in die Tat umzusetzen. So wurde etwa nach einem geeigneten Platz gesucht und auch schon das nötige Inventar bestellt.

Richter Eva-Maria Seidl leistete der Bitte des ehemaligen Mafia-Jägers Folge, nachdem dessen Frau die gewünschten schriftlichen Unterlagen über die beabsichtigte Gastronomie-Karriere vorgelegt hatte. Auch Staatsanwalt Walter Nemec hatte keine Einwände mehr, als er Einsicht in die Papiere nehmen konnte.

Somit konnte Johann H. die Justizanstalt Wien-Josefstadt verlassen. "Es ist ihm jetzt möglich, sich und vor allem seiner Familie das berufliche Fortkommen zu sichern", erklärte sein Anwalt am Freitag im Gespräch mit der APA. Im kommenden Herbst werde H. den restlichen Teil seiner Strafe selbstverständlich "nachsitzen", versprach Rifaat. (APA)

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