St. Veit an der Glan statt Brüssel

13. September 2002, 18:27
31 Postings

Gusenbauer schwänzt SPE-Treffen für Wahlkampf - Cap ortet Geheimpakt zwischen Haider und Schüssel

Wien - Monatelang hat SPÖ- Vorsitzender Alfred Gusenbauer für die Europäischen Sozialdemokraten (SPE) an einem Papier zu Maßnahmen gegen den europäischen Rechtspopulismus gearbeitet, am Freitag wurde das Ergebnis im SPE-Vorstand in Brüssel beraten. Ohne den österreichischen Parteivorsitzenden. Wahlkampf. Gusenbauer tourte zu diesem Zeitpunkt durch die Bundesländer - Betriebsbesuch in Kärnten in St. Veit an der Glan, dann Zwischenstopp in Graz, am Abend stand das Gesichtsbad beim Schönlaterngassenfest der SPÖ-Zukunftswerkstätte auf dem Programm. Und auch das anschließende Geburtstagsfest des Schriftstellers Gerhard Roth geriet irgendwie zum Wahlkampfauftritt des SPÖ-Vorsitzenden.

In Kärnten hatte Gusenbauer den Kärntnern Rosen gestreut. In der Kärntner Sozialdemokratie gebe es "sehr gute Leute. Daher ist es durchaus möglich, dass einer oder eine zu Ministerehren kommen wird." Im Gespräch ist der Klagenfurter Landtagsabgeordnete Peter Kaiser.

Klubobmann Josef Cap haute derweil in Wien ordentlich auf den Tisch und ortete einen Geheimpakt zwischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und FPÖ-Chef Jörg Haider.

Indizienkette

"Die Indizienkette, die für einen Geheimpakt zwischen Schüssel und Haider spricht, ist überzeugend. Ich möchte aber, dass das Papier der Öffentlichkeit vorgelegt wird", forderte Cap bei einer Pressekonferenz. Es dürfe nicht wieder passieren, dass Schüssel die Öffentlichkeit täusche wie bei der letzten Regierungsbildung.

Unfassbar ist es für Cap, dass Schüssel wieder als Spitzenkandidat in die Wahl geht. Schüssel habe als Architekt dieser schwarz-blauen Regierung Verantwortung für "das ganze Chaos und Unsoziale" dieser Regierung zu tragen. "Man hat den Eindruck, Schüssel hat schon wieder vergessen, dass er Chef dieser Regierung war." Nun gehe es darum, dass die Öffentlichkeit über die Geheimabsprachen zwischen Schüssel und Haider informiert werde. Denn es sei klar, so Cap, dass Schüssel nach der Wahl eine Fortsetzung dieser Chaos-Regierung anstrebe.

"Schüssel hat bereits hinter dem Rücken von Vizekanzlerin Riess-Passer mit Haider Geheimabsprachen geführt", glaubt Cap zu wissen. Allen Ärgernissen zum Trotz räumt der geschäftsführende Klubobmann der SPÖ einer Koalition mit der ÖVP - auch unter Wolfgang Schüssel - dieselben Chancen ein wie einer Koalition mit den Grünen. "Ich kann der ÖVP ja nicht Vorschläge machen, mit welchem Spitzenkandidaten sie in die Wahl geht."

Die ÖVP antwortete auf Caps Vorhaltungen umgehend und warf der SPÖ im Gegenzug vor, einen "Geheimpakt" mit dem Grünen Parteisprecher Alexander Van der Bellen zu haben. (völ/DER STANDARD, Printausgabe, 14/15.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.