Die Last der Telekomkonzerne

13. September 2002, 14:49
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UMTS-Lizenzen und zu teure Firmenübernahmen in Europa stürzen Deutsche Telecom, France Telecom und Co in Finanzkrise

Hamburg - Überteuerte Firmenzukäufe, Milliarden-Lasten durch UMTS-Lizenzen und ein Einbruch der Aktienkurse - die Telekomkonzerne in Europa haben mit Problemen zu kämpfen:

Deutsche Telekom: 67 Mrd. Euro Schulden hat das Unternehmen angehäuft, an dem der Bund nach wie vor 43 Prozent der Aktienanteile hält. Die einst mit Erfolg an der Börse platzierte T-Aktie stürzte im Wert von über 100 Euro auf fast 10 Euro ab. Telekom-Übergangschef Helmut Sihler (72), der Ron Sommer im Juli ablöste, will bis Ende 2003 die Schulden auf 50 Mrd. Euro drücken.

France Telekom: Der französische Telekommunikationsgigant weist derzeit einen Schuldenberg von rund 70 Mrd. Euro aus. Der Staat hält einen Mehrheitsanteil von 55,7 Prozent. Bei der Börseneinführung 1997 wurde die FT-Aktie wie das Telekom-Papier als "Volksaktie" präsentiert. Seit Jahresbeginn hat die Aktie über drei Viertel an Wert verloren.

KPN: Der niederländische Konzern wechselte im vergangenen September bei einem Schuldenstand von 22 Mrd. Euro den Chef aus. An die Spitze des Unternehmens, an dem der Staat mit etwa 34 Prozent beteiligt ist, rückte Ad Scheepbouwer, als Nachfolger von Paul Smits. Die Schulden konnten auf 13,9 Mrd. Euro verringert werden.

British Telecom: Die Briten halbierten im vergangenen Jahr den Schuldenberg auf 13,7 Mrd. Pfund (21,3 Mrd. Euro). Unter anderem die Milliarden-Kosten einer deutschen UMTS-Lizenz hatten BT in die Krise gestürzt. Die Mobilfunksparte wurde ausgelagert und ging an die Börse. Konzernchef Sir Peter Bonfield ging und wurde durch Ben Verwaayen ersetzt, der einen harten Sanierungskurs steuert.

Telefonica: Europas viertgrößter Telekomkonzern wies in seiner letzten Halbjahresbilanz im Juni konsolidierte Nettoschulden von 25,8 Mrd. Euro aus. Der Ex-Monopolist ist seit 1997 privatisiert. Der Staat verfügt über die "goldene Aktie", die es ihm erlaubt, bei Entscheidungen von strategischer Bedeutung ein Veto einzulegen. Der Kursverfall der Telefonica-Aktie lag im ersten Halbjahr 2002 bei rund 40 Prozent.

Telecom Italia: Bei dem einst maroden Telefonriesen, der in Österreich an der Telekom Austria beteiligt ist, fiel im vergangenen Jahr wegen hoher Abschreibungen ein Verlust von rund 2 Mrd. Euro an. Bis 2004 sollen 2 Mrd. Euro eingespart, zugleich aber bis zu 3.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn erheblich an Wert. (APA/dpa)

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