CSSR-Regierung deckte Münchner Olympia-Terrorist

13. September 2002, 13:06
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Zeitung zitiert aus Regierungsdokument: Abu Daud als "Organisator der bewaffneten Aktion gegen die israelischen Sportler" bekannt

Prag - Die CSSR hat in den 70er Jahren den Anstifter des Attentats gegen die israelischen Sportler bei den Olympischen Sommerspielen im Jahre 1972 in München, den palästinensischen Terroristen Abu Daud, gedeckt. Dies geht aus einem Dokument des tschechoslowakischen Innenministeriums hervor, aus dem die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" in ihrer Freitagausgabe zitiert.

Die tschechoslowakischen Spitzenpolitiker hatten spätestens im Jahre 1978 genaue Informationen über das Attentat, als Abu Daud zu einem zehntägigen Besuch in die CSSR kam, berichtete das Blatt unter Berufung auf das Dokument, das immer noch als "geheim" eingestuft ist.

Zitat

"Am 21. August 1978 hat der Mitarbeiter des Tschechoslowakischen Solidaritäts-Ausschusses für afrikanische und asiatische Völker, Genosse Krejci, mitgeteilt, dass ein Vertreter der palästinensischen Widerstandsbewegung, Abu Daud, am 20. August dieses Jahres (1978, Anm.) in der CSSR angekommen ist. ... Bei den Olympischen Spielen in München war er der Organisator der bewaffneten Aktion gegen die israelischen Sportler gewesen", steht im Archivdokument des Prager Innenministeriums aus dem Jahr 1978.

Für die deutschen Ermittler hätten diese Informationen seinerzeit großen Wert gehabt. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat erst vor drei Jahren einen neuen Haftbefehl gegen Abu Daud erlassen, nachdem dieser sich in einem Buch zu dem Massaker bekannt hatte. In die Tschechoslowakei soll Daud mit einem gefälschten, in Algerien ausgegebenen Reisepass eingereist sein, der auf den Namen Amara Salem Azezan lautete. "Dem Genossen Krejci ist es nicht gelungen, den Zweck des Besuches von Abu Daud festzustellen. Er (Krejci) hat angegeben, dass Abu Daud im (Prager) Hotel Intercontinental in Zimmer 200 untergebracht ist", heißt es im Dokument des Innenministeriums weiter.

Die Ereignisse von 1972

Ein Kommando palästinensischer Terroristen hatte 1972 in München elf israelische Sportler als Geiseln genommen, ihre Zimmer besetzt und die Freilassung von 200 arabischen Häftlingen gefordert. Bereits während der Geiselnahme hatten sie zwei Sportler erschossen. Im Laufe einer Schießerei mit der deutschen Polizei auf dem Flughafen starben dann weitere neun Sportler, fünf Terroristen und ein Polizist. Insgesamt kamen damals 17 Personen ums Leben.

Überprüfung

Die tschechische Behörde für die Dokumentation und Ermittlung der kommunistischen Verbrechen (UDV) befasst sich nun mit dem Fall. UDV-Mitarbeiter prüfen, ob die damaligen Vertreter der Tschechoslowakei die internationale Konvention über die Bekämpfung des Terrorismus eingehalten haben, die damals auch für die CSSR verbindlich war.

"Den Vertretern der so genannten sozialistischen Länder reichte es, wenn sie wussten, dass die Angriffe der Terroristen nicht gegen ihre Staaten gerichtet waren. Sie wussten von diesen Leuten, sie hatten sie unter Kontrolle, aber aus ausschließlich politischen Gründen wurden diese (die Terroristen) nicht bestraft", sagte der stellvertretende UDV-Direktor Pavel Bret. (APA)

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