Salzburg verteidigt Gestaltungsbeirat

18. September 2002, 12:01
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FP-Antragung gegen "Ortsfremdes" ohne Mehrheit

Salzburg - Anlass war einer Architekturdebatte im Salzburger Gemeinderat am Mittwoch ein Antrag der FPÖ auf Abschaffung des Gestaltungsbeirates. FPÖ-Gemeinderätin Marlies Steiner-Wieser meinte, damit die Stadt "vor weiteren Scheußlichkeiten" zu bewahren; sie fand letztlich keine Mehrheit.

Das sei dieselbe geistige Haltung, die vor über 200 Jahren Mozart aus Salzburg vertrieben hätte, konterte Planungs-Stadtrat Johann Padutsch von der Bürgerliste.

Auslöser für die sich alle paar Jahre wiederholende Auseinandersetzung war das Heizkraftwerk Mitte, das bei Teilen der Bevölkerung, der "Kronenzeitung" und eben vor allem der FPÖ Proteste bewirkte. Die Schuld wurde dem Gestaltungsbeirat zugeschrieben, einem international besetzten Architektengremium, das jedes Bauvorhaben in Salzburg ab einer bestimmten Größe begutachten muss.

Wider die Ortsfremden

Der Beirat habe seine Bewährungsprobe nicht bestanden, monierte FPÖ-Klubobfrau Doris Tazl; ortsfremde Architekten würden in Salzburg ein Experimentierfeld sehen: "Wir möchten das Weltkulturerbe erhalten und nicht zur Spielwiese der Architekten werden". Ihre Parteifreundin Steiner-Wieser fand, dass die internationalen Architekten eine "völlig austauschbare Architektur" nach Salzburg brächten.

ÖVP-Planungssprecher Harald Preuner meinte, dass die ÖVP zwar gegen eine Abschaffung des Gremiums sei, allerdings seien etliche Änderungen nötig. Seine Partei fordere unter anderem, dass mindestens ein Drittel der Architekten aus Salzburg kommen müssen. Die Kandidaten müssten sich vor ihrer Bestellung einem Hearing im Planungsausschuss unterziehen.

"Barock und Gotik sind nicht unbedingt Salzburger Erfindungen"

"Wer hat denn die Bauten im Weltkulturerbe erbaut", stellte Padutsch zur Frage. "Waren es Salzburger Architekten?" Nein, es seien ortsfremde Architekten gewesen, so Padutsch. Und dem Vorwurf, der Gestaltungsbeirat würde austauschbare Architektur nach Salzburg bringen, hielt der Stadtrat entgegen: "Barock und Gotik sind nicht unbedingt Salzburger Erfindungen. Und dennoch wurde danach in Salzburg gebaut." Der Salzburger Gestaltungsbeirat habe internationale Reputation und sei europaweit das einzige Gremium, in dem Politiker und Bürger bei der Architekturbegutachtung mitreden dürfen.

Padutsch betonte ebenso wie SPÖ-Planungssprecher Martin Panosch, dass nicht im Gestaltungsbeirat die Entscheidungen fallen, sondern im Planungsausschuss sowie letztlich im Gemeinderat. Der Beirat sei nur ein beratendes Gremium. "Wir haben schon jetzt jede Entscheidungsmöglichkeit", so Panosch.

Antrag auf Ansuchen ohne Mehrheit

Der Gemeinderat sprach sich letztlich gegen die Stimmen der ÖVP und der FPÖ für die Beibehaltung des Beirates aus. (Es hätte ohnedies nur ein Ansuchen an den Landesgesetzgeber gestellt werden können, Anm.)

Der Salzburger Gestaltungsbeirat ist mit internationalen Architekten besetzt und hatte nach seiner Gründung im Jahr 1983 europaweite Vorbildwirkung. Städte wie Basel, Bremen oder Halle an der Saale sind dem Salzburger Vorbild gefolgt. Während der Gestaltungsbeirat in Salzburg in den ersten Jahren nur eine freiwillige Einrichtung war, wurde ihm 1992 vom Landtag eine gesetzliche Grundlage gegeben. (APA)

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