MobilCom - Der Niedergang

13. September 2002, 12:21
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Hamburg - Nach dem Rückzug des französischen Telefonkonzerns France Telecom will der Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter MobilCom noch am Freitag einen Insolvenzantrag stellen. Damit geht einer der wohl spektakulärsten Machtkämpfe zwischen zwei Großaktionären zu Ende.

Chronik des Niedergangs:

  • März 1997 - MobilCom geht als erste Firma an den Neuen Markt
  • März 2000 - France Telecom erwirbt für 3,7 Mrd. Euro 28,5 Prozent an MobilCom. Im Verlauf des 22. März erreicht die MobilCom-Aktie mit 210 Euro ihr Allzeithoch, Schlusskurs ist 199 Euro. Der Büdelsdorfer Telekom-Anbieter ist zu diesem Zeitpunkt an der Börse über 8,7 Mrd. Euro wert
  • August 2000 - MobilCom ersteigert mit finanzieller Unterstützung von France Telecom für 8,4 Mrd. Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen
  • November 2001 - France Telecom versucht, das weitere Investitionstempo für den UMTS-Netzaufbau zu drosseln
  • 15. Februar 2002 - Der damals noch amtierende Mobilcom-Chef Gerhard Schmid wirft France Telecom in einem Reuters-Interview vor, den UMTS-Netzaufbau zu behindern
  • 21. Februar - France Telecom setzt im Aufsichsrat von MobilCom durch, dass ein Aktiengeschäft Schmids mit seiner Ehefrau auf mögliche Unregelmäßigkeiten untersucht wird
  • 26. März - Schmid bietet France Telecom an, sich gegen ein Übernahmeangebot aus seinem Unternehmen zurückzuziehen
  • 30. Mai - Die Hauptversammlung von MobilCom verwehrt Schmid wegen des Aktiengeschäfts mit seiner Ehefrau die Entlastung
  • 11. Juni - France Telecom kündigt das Kooperationsabkommen mit MobilCom, der Kurs der Aktie stürzt ab
  • 13. Juni - 17 Mobilcom-Banken stimmen grundsätzlich einer Umschuldung von UMTS-Darlehen über 4,7 Mrd. Euro zu
  • 21. Juni - Der Aufsichtsrat beruft Schmid als Vorstandschef ab
  • 30. Juli - MobilCom erreicht bei vier Gläubigerbanken eine Stundung der fälligen Refinanzierung der UMTS-Kredite bis Ende September
  • 01. August - Die Wertpapieraufsicht widerspricht Schmids Auffassung, France Telecom müsse den übrigen MobilCom-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten
  • 20. August - Schmids Ehefrau beantragt über ihre Firma Millenium GmbH eine außerordentliche Aktionärsversammlung von MobilCom
  • 28. August - MobilCom verklagt die Großaktionäre Schmid auf Schadensersatz. Im Gegenzug verklagt Schmid France Telecom auf Übernahme seiner Anteile
  • 29. August - MobilCom gibt eine Versechsfachung seines Verlustes bekannt
  • 03. September - Schmid kündigt eine Klage gegen die Wertpapieraufsicht vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt an
  • 11. September - Berichte über einen bevorstehenden Ausstieg von France Telecom bei MobilCom lassen den Kurs des Büdelsdorfer Unternehmens abstürzen
  • 12. September - Der MobilCom-Kurs markiert im Vorfeld der erwarteten Entscheidung des Verwaltungsrats von France Telecom bei 1,32 Euro ein historisches Tief.
  • 13. September - France Telecom stellt die finanzielle Unterstützung für MobilCom ein. Zu diesem Zeitpunkt wird MobilCom an der Börse noch mit etwa 65 Mill. Euro bewertet. MobilCom-Chef Thorsten Grenz kündigt für den gleichen Tag einen Insolvenzantrag an.

    (APA/Reuters)

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