Mail von Karl-Heinz

15. September 2002, 09:18
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In Urlaubstagen ohne Internet sammelt sich einiges an Junk in der Mailbox. Abhilfe gegen den Spam ist nicht in Sicht.

Wenn du ein paar Tage deine Mailbox urlaubsbedingt verwaisen lässt, warten die interessantesten Angebote auf dich. Kreditschulden so easy abzutragen wie Brust- und Penisvergrößerungen nach Maß. Freunde, die ungenannt bleiben wollen, haben dich

1.) zur Aufnahme in eine exklusive Hackergruppe empfohlen, die Anleitungen für Mailbomben, Viren, Passwortknacker u.a. geben,
2.) an eine unbekannten Schöne vermittelt, die eine Mitfahrgelegenheit sucht,
3.) endlich mit einer Möglichkeit beglückt, wie sich dein Geld in 30 Tagen GARANTIERT! vermehrt.

Interessant auch die Mail des ersten Sohnes des verstorbenen Mobutu Sese Seko, des früheren Präsidenten von Zaire. Er sitzt gerade als politischer Häftling fest (immerhin: mit Internetanschluss), aber will dringend ein paar Millionen aus dem Land bringen, die er mit dir gerne teilt, entsprechende Hilfestellung vorausgesetzt. Erinnert entfernt an die Mail eines gewissen Karl-Heinz Grasser, Leider-Nicht-Mehr-Finanzminister von Österreich, der doch lieber keine Abfangjäger kaufen will und dafür, zwecks Steuersenkung, die Gehälter der Beamten an die der Arbeiter und Angestellten angleichen.

Filter - neuer Mist stellt sich schneller ein

Bei dem so genannten Spam, der täglich deine Mailbox vollmüllt, bleibt die Frage, ob dagegen ein Kraut gewachsen ist. Die EU verspricht uns ein spamfreies Leben, Anzeige genügt, aber die Hoffnung auf das Gesetz ist in Anbetracht von Servern außerhalb der EU eine müßige Hoffnung. Mailprogramme haben Filter, auch "Junk Filter", die als eine Art elektronische Müllabfuhr dienen sollen. Die Erfahrung zeigt, dass sich neuer Mist schneller einstellt, als Filter darauf trainiert werden können.

Eine Möglichkeit ist, sich eine oder mehrere Gratis-Mailadressen zu halten, um sie bei Bedarf bei Websites zu deponieren, die nur nach Angabe einer Adresse Zugang gewähren - und diese Gratismailboxen nie zu leeren. Das hält zumindest die richtige Mailbox weitgehend frei von Junk.

Praktizierter Stoizismus

Ansonsten bleibt derzeit nur praktizierter Stoizismus. Zum Glück lässt sich der Spam so schnell löschen, wie er verschickt wird; man entwickelt eine gewisse Routine darin, in einer Minute den Mist des Tages ins elektronische Nirwana zu befördern. Und an Tagen, da die politische Nachrichtenlage so junklastig ist wie die Mailbox, freust du dich, wenn du von deinem Finanzminister liest. Selbst wenn er bereits politischen Junkstatus hat.
(DER STANDARD/ Rondo/ DigitalStoff)

Helmut Spudich hat schnell gelöscht.
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