Linksgerichtete ELN-Guerilla entführt Schulbub in Kolumbien

13. September 2002, 09:21
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Ungeachtet erster Gespräche mit Regierung setzt die linksgerichtete Guerilla Enführungen fort

Bogota - Ungeachtet der Aufnahme erster Gespräche mit der konservativen Regierung in Kolumbien haben die Rebellen der linksgerichteten ELN-Guerilla erneut einen Schulbuben entführt. Der kleine Kevin sei am Donnerstag Früh (Ortszeit) in einem Schulbus nahe der nordöstlichen Grenze zu Venezuela entführt worden, teilte die Armee mit.

Zwei Rebellen hätten zuvor acht Schüler in dem Bus über die Berufe ihrer Eltern ausgefragt. Damit wolle sich die Guerilla die Aussicht auf ein möglichst hohes Lösegeld sichern, sagte ein Armeesprecher. Staatschef Alvaro Uribe zeigte sich bei einem Besuch in New York "traurig und niedergeschlagen". Sein Unterhändler Luis Carlos Restrepo hatte erst kurz zuvor bestätigt, dass die Regierung erste Gespräche mit dem Nationalen Befreiungsheer (ELN) aufgenommen habe.

"Das Land ist in den Händen von Barbaren", sagte Innen- und Justizminister Fernando Londono, der zugleich die Verhängung des Ausnahmezustands vor einem Monat rechtfertigte. Die "Terroristen" hätten "keinen Platz mehr in der heutigen Welt", sagte Armeegeneral Jorge Enrique Mora. Die ELN nahm zunächst keine Stellung zu der Entführung. Sie hatte nach der Wahl von Uribe zum neuen Präsidenten ihre Bereitschaft zum Dialog signalisiert.

Die ELN ist mit 4000 Rebellen nach den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) die zweitgrößte Guerillagruppe in dem südamerikanischen Land. In Kolumbien werden jedes Jahr im Durchschnitt 3000 Menschen entführt, die meisten von ihnen von FARC und ELN. Die Guerilla finanziert damit ihren bewaffneten Kampf gegen Armee und rechtsgerichtete Paramilitärs. Seit 1964 wurden in dem Bürgerkrieg mehr als 200.000 Menschen getötet.(APA)

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