Krejci: "Schwarz-Blau ist für die nächsten Jahre tot"

13. September 2002, 06:59
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Ehemaliger IV-Generalsekretär: "Heilsame Lehre" - Klare Präferenz für "reformierte Große Koalition"

Wien - "Schwarz-Blau ist für die nächsten Jahre tot!" Das erklärte der frühere Generalsekretär der Industriellenvereinigung Herbert Krejci in der Nacht auf Freitag anlässlich seines 80. Geburtstages in einem Interview mit der ZiB3. In Bezug auf die FPÖ-Krise und das Scheitern der ÖVP-FPÖ-Regierung sagte Krejci, dass die vergangenen Tage eine "heilsame Lehre" gewesen seien und dass sich die FPÖ-Regierungsbeteiligung auf lange Zeit nicht mehr wiederholen werde. Zwar Habe Bundeskanzler Wolfgang Schüssek (V) den lange Jahre ausgegrenzten Jörg Haider (F) "entzaubert", so der Jubilar, "doch er hätte früher darüber nachdenken müssen, was mit solch einer Politik passieren kann".

Er selbst wünsche sich nach den Wahlen am 24. November eine "reformierte Große Koalition". "Ob Rot-Schwarz oder Schwarz-Rot, das ist mir fast egal. Nur funktionieren muss sie, die Regierung", so der ehemalige IV-Generalsekretär. Er sei seit Jahrzehnten geprägt von der Sozialpartnerschaft und der Großen Koalition, gebe aber jederzeit zu, dass diese Institutionen sehr reformbedürftig seien. Trotz dieses Reformbedarfs habe Österreich aber eine Große Koalition heute nötig.

An die bereits voll im Wahlkampf befindlichen Parteien SPÖ und ÖVP appellierte Krejci, an die "wirklichen Probleme Österreichs zu denken" und ihre Inhalte nicht auf bloß kurzfristig erfolgversprechende Positionen zu konzentrieren.

Dass Schüssel das Amt des Vizekanzlers akzeptieren würde, falls die ÖVP hinter der SPÖ landen sollte, glaubte Krejci nicht: "Die ÖVP wird dann mit einer anderen Konstellation in die Regierung gehen." Gespannt sei er auf die Reaktion der SPÖ, sollte die ÖVP doch überraschend stimmenstärkste Partei werden. In einem solchen Fall müssten die Sozialdemokraten überlegen, ob sie im Interesse Österreichs einen Kniefall machen und als Juniorpartner in die Regierung gehen würden. In jedem Fall traue er aber SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer das Amt des Regierungschefs voll zu. Es handle sich um eine sehr gebildete Person, die darin sicherlich reüssieren würde. "Es ist schließlich niemand zum Bundeskanzler geboren", so Krejci. (APA)

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