Pfiffe für EU-Agrarkommissar Fischler im polnischen Parlament

12. September 2002, 21:18
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Polens Landwirtschaftsminister lehnt Übergangsfristen bei Beihilfen ab

Warschau - Der Agrarkommissar der Europäischen Union, Franz Fischler, ist am Donnerstag von polnischen Abgeordneten ausgepfiffen worden, als er bei einem Treffen im Parlament für die Erweiterung der EU warb. Einige Abgeordnete protestierten mit Trillerpfeifen gegen Fischler und polnische Bauernverbände forderten ihn auf, den Export "vergifteter Lebensmittel" sowie den Versuch zu stoppen, "die polnische Landwirtschaft zu zerstören".

Die Landwirte Polens erwarten, dass die EU sie vom Tag des Beitritts des Landes in die Gemeinschaft an voll subventioniert. Wegen der hohen Kosten der Erweiterung plant die EU bisher jedoch lediglich eine schrittweise Einführung der Beihilfen.

Polens Landwirtschaftsminister gegen Übergangsfristen für Beihilfen

Der polnische Landwirtschaftminister Jaroslaw Kalinowski lehnte die von der EU vorgeschlagenen Übergangsfristen für die Beihilfen ab. Polen werde nach der Erweiterung in der EU nicht wettbewerbsfähig sein, sagte Kalinowski.

Fischler entgegnete, die polnischen Landwirte wären ohne EU-Mitgliedsstatus noch schlechter gestellt als mit. Auch wenn sie geringere Hilfen erhielten als die Staaten, die bereits EU-Mitglied sind, profitierten sie von einem Beitritt. "Der EU beizutreten ist natürlich nicht die Hölle, so wie es einige Untergangspropheten heraufbeschwören, aber es ist auch nicht der Himmel", sagte Fischler.

Ein Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, neuen Mitgliedstaaten zunächst nur 25 Prozent der Beihilfen zukommen zu lassen, die die alten Mitglieder erhalten. Die Hilfen sollen dann kontinuierlich über zehn Jahre erhöht werden. (APA/Reuters)

Polen ist das größte der zehn hauptsächlich osteuropäischen Länder, die derzeit Beitrittsverhandlungen mit der EU führen. Deutschlands östlicher Nachbar plant seinen Beitritt für das Jahr 2004.
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