Schlag gegen Al-Qa'ida

12. September 2002, 19:59
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15 Pakistani auf Sizilien verhaftet - Finanzchef der Organisation gefasst

Wien/Palermo/Kabul - In der weltweiten Serie von Festnahmen mutmaßlicher Al-Qa'ida-Mitglieder hat am Donnerstag die sizilianische Polizei die Verhaftung von 15 Pakistani gemeldet. "Wir haben interessante Dokumente gefunden, die die Anschuldigungen bestätigen werden", kündigte der Polizeichef der Provinz Caltanissetta, Santi Giuffre, an.

Die Gruppe war bereits im August nach Geheimdiensthinweisen von der Küstenwache auf einem Frachter vor Sizilien abgefangen und in Haft genommen worden. Die Männer, die alle mit falschen Pässen reisten, lösten dann während der Verhöre weiteren Verdacht aus und sollen zudem kodierte Botschaften bei sich gehabt haben. Die Pakistani gaben an, sie seien auf einer Reise von Marokko nach Libyen unterwegs gewesen.

Während das Schicksal von Osama Bin Laden unbekannt und sein engster Führungskreis weiter auf der Flucht ist, sind seit dem Beginn des Antiterrorfeldzugs etwa ein Dutzend Al-Qa'ida-Kader getötet oder gefasst worden. US-Einheiten in Afghanistan haben dabei nach eigenen Angaben während ihrer jüngsten, fünftägigen Militäroperation "Champion Strike" zwei führende Al-Qa'ida-Mitglieder festgenommen, darunter einen Schlüsselfinanzier der Terrororganisation.

Ranghöchster Al-Qa'ida-Führer und zugleich die bislang beste Informationsquelle für die CIA ist Abu Zubaydah, der im Frühjahr in Pakistan gefasst worden war und wenig später "kooperierte". Zu reden begonnen hat auch Omar Al Faruq, dessen Telefonnummer in Zubaydahs Dokumenten gefunden und der Anfang Juni in Indonesien aufgegriffen wurde. Seine Hinweise sollen nach Angaben des US-Senders Fox News dazu geführt haben, dass die US-Regierung vor dem 11. September die Alarmstufe "Orange" auslöste und mehrere Botschaften in Südasien schloss. Al Faruq gilt als Bindeglied zwischen Bin Laden, dessen Vertrautem Ayman Al-Zawahiri und Terrorgruppen in Südostasien. Nach Einschätzung von Terrorexperten in den USA und Europa erschwert die Zersplitterung von Al-Qa'ida die Abwehr von Anschlägen. (mab, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

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