Ein General wird 80

13. September 2002, 00:20
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Herbert Krejci, Befürworter des Europagedankens und Kritiker der "Wenderegierung", feiert Geburtstag

Wien - Am Freitag feiert der frühere Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Professor Dr. h.c. Herbert Krejci, seinen 80. Geburtstag. Krejci ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates der VA Technologie AG, deren Aufsichtsratspräsident er bis April 2000 war. Der Jubilar, der bis März 2000 auch Aufsichtsratspräsident der Verbundgesellschaft war, begleitete auch nach seiner Pensionierung bei der IV Ende März 1992 die Geschicke der bis damals noch Verstaatlichten Industrie.

Krejci wurde 1922 in Wien geboren. 1946 begann er, aus britischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, als Redakteur des Amerikanischen Nachrichtendienstes in Wien eine Journalistenlaufbahn, die ihn bald in die außenpolitische Redaktion des "Wiener Kurier" führte, der von den US-Streitkräften in Österreich herausgegebenen Tageszeitung. 1952 übernahm Krejci die Ressortleitung für Außenpolitik. Nach Einstellung der Zeitung aufgrund des Staatsvertrages wurde Krejci Special Assistant für Presse- und Informationsangelegenheiten der US-Botschaft in Wien.

Markante Aussagen und Kommentare

Breiten Kreisen bekannt wurde Krejci später als Generalsekretär der Industriellenvereinigung, wozu er im Mai 1980 bestellt wurde, nachdem er 1956 in die Presseabteilung der IV eingetreten war, um 1961 die Chefredaktion der Wochenzeitschrift "Industrie" zu übernehmen. Als Generalsekretär bereicherte Krejci die politische Diskussion in Österreich laufend mit markanten Aussagen und Kommentaren, seine Pressekonferenzen in der IV waren für Politik- und Wirtschaftsredakteure eine höchst interessante Plattform für einen tagespolitischen Meinungsaustausch. Krejci profilierte sich als Befürworter der Großen Koalition wie auch der Sozialpartnerschaft. Parallel war er Lehrbeauftragter und später Universitätslektor für Public Relations an der Wirtschaftsuniversität Wien, vormals Hochschule für Welthandel.

Mit seiner Pensionierung bei der IV im April 1992 widmete sich Krejci mit der ihm eigenen Verve dem Beitritt Österreichs zur EG, den er schon an der Spitze der Industriellenvereinigung mit Nachdruck vertreten hatte. Im Frühjahr 1992 wurde Krejci zum Ehrenpräsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) ernannt, deren Mitbegründer er im Jahr 1984 war. Bei der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik bekleidet Krejci nach wie vor das Amt eines Präsidenten, er befürwortete immer dezidiert die EU-Osterweiterung.

Engagement in der Verstaatlichten

In Österreichs Verstaatlichter Wirtschaft hatte Krejci mehrere kontrollierende Positionen inne. So war er Aufsichtsratsvorsitzender der früheren Austrian Industries, die als Mischkonzern an die Börse gebracht werden sollte. Mit der Gründung einer der nachfolgenden Branchengegesellschaften, der an die Börse gebrachten VA Tech, übernahm Krejci dort 1994 den Aufsichtsratsvorsitz. Von 1988 bis März 2000 war er zudem Aufsichtsratspräsident der Verbundgesellschaft. Bei zwei Gesellschaften der Turnauer-Gruppe, der Teich AG und Constantia Verpackungen, ist Krejci noch heute Aufsichtsratsmitglied.

Erst im heurigen Juni trat Krejci in einem Interview als Kritiker der schwarz-blauen "Wenderegierung" in Erscheinung, der er vorwarf, nur das Wirtschaftliche in den Vordergrund zu stellen und "dass in Österreich wieder so ein schreckliches Lagerdenken" im Entstehen sei. Die Vision eines FPÖ-Regierungschefs nannte er eine "Horrorvision". (APA)

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