Herbert Haupt zieht als Spitzenkandidat für die FPÖ in den Wahlkampf

12. September 2002, 19:07
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Tierarzt und Vielredner mit Hang zum Risiko

"Crashpilot" nennt er sich selbst. Damit meint Herbert Haupt nicht seine Mission als Spitzenkandidat, sondern seine elf Autounfälle. Er fahre halt schnell, erzählt er breit grinsend über diese Missgeschicke genauso wie über den Tauchunfall, nach dem er wiederbelebt werden musste. Noch gefährlicher war der Autounfall 1981, nach dem Haupt klinisch tot war und seit dem er durch eine Bluttransfusion Hepatitis-C-infiziert ist. Seine Stimmprobleme rühren nicht daher, sondern vom Luftröhreneingriff nach einem Tumor. All das hindert Haupt nicht, für die FP in die Bresche zu springen.

Zu ausgeprägt ist die Loyalität zum Kärntner Freund Jörg Haider. Zur trendigen Buberlpartie gehörte er nie, uneitel wich er seit dem Parteitag 1986 nicht von Haiders Seite und saß seit 1986 für die Blauen im Nationalrat. Die Freund-schaft zu Haider war es auch, die ihm den einzigen Bruch seiner Politkarriere bescherte: 1994 mit großer Zustimmung von SP und VP zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt, verlor er 1995 Sympathien und Amt wegen der Weigerung, sich von Haiders Hommage an die Waffen-SS in Krumpendorf zu distanzieren.

Rechtslastig sieht sich der 54-jährige Tierarzt trotz seiner Herausgeberschaft des Grenz- landjahrbuches und seiner Mitgliedschaft in der "Landsmannschaft Kärnten zu Wien" aber nicht - sondern als Vertreter des kleinen Mannes.

Als solcher hat Haupt vor zwei Jahren die Nachfolge von Elisabeth Sickl angetreten und mit seiner Arbeitswut vielen im Sozialministerium mehr Arbeit beschert - und manchen im Nationalrat: Wenn Haupt spricht, muss im Parlament ein zusätzlicher Stenograf anrücken, so rasch sprudelt sein üppiges sozialpolitisches Wissen. Das war kurz sogar ein Vorteil: War doch monatelange Dechiffrierung der Hauptschen Satzungetüme nötig, bis Widersprüche in der detailverliebten Berieselung auffielen.

Seither stand Haupt oft im Mittelpunkt der Kritik: Ambulanzgebühr, Unfallrentensteuer oder die zähe Ablöse Hans Sallmutters waren nur einige der Pannen. Zu politischen Fehlern gesellten sich rasche Ankündigungen und Dementis - bis hin zum Rücktritt vom Rücktritt nach Haiders "Bin schon weg" - und Personalprobleme. Kabinettschefin Ute Fabel musste mit falschem Magistertitel den Posten räumen, sein alter Freund Reinhart Gaugg nach monatelanger Privilegiendiskussion nach einer Alkofahrt Träume von einem Pensionsjob aufgeben. Und als Frauenminister fiel Haupt nur mit der Männerabteilung auf.

Die Erfolgsbilanz ist kürzer, umfasst vor allem Behindertenmilliarde und Kindergeld. Das irritiert Haupt wenig - hat er doch bereits Pläne für ein Scheitern bei der Wahl: sich seiner Frau, Segeltörns und seinen geliebten jovialen Gartenzaungesprächen widmen.

(Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

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