"Es geht darum, unser Programm umzusetzen"

13. September 2002, 11:43
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So stark werden, dass eine Regierungsbildung ohne ÖVP unmöglich ist: Das ist das Ziel des Wahlkampfleiters der Volkspartei, Reinhold Lopatka

Standard: Rechnet sich die ÖVP im Ernst aus, Erster zu werden?
Lopatka: Die Wähler sind heute so mobil, bis zur Wahl kann noch viel passieren.

STANDARD: Wie gewinnt man jene zurück, die der ÖVP zürnen, die FPÖ ins Regierungsboot genommen zu haben?
Lopatka: Indem man ihnen deutlich sagt, dass wir nicht einmal einen Beistrich von dem aufgegeben haben, was wir vor der Wahl gesagt haben. Die Regierungsarbeit hat ja bestens funktioniert.

STANDARD: Sie trennen also die Freiheitlichen in eine gute und eine schlechte FPÖ?
Lopatka: Ich sage nur, dass das Entscheidende in der Politik das Tun ist und nicht das, wovon man redet. In der Regierungsarbeit gibt's keinen Punkt, wo ein ÖVP-Wähler gekränkt sein könnte.

STANDARD: Aber die Mitwirkung der FPÖ hat den internationalen Ruf Österreichs in Misskredit gebracht.
Lopatka: Wenn demokratisch gewählte Regierungen nicht anerkannt werden, dann werden wir in Europa nicht weit kommen. Ist jetzt vielleicht auch Italien in Misskredit? Es wäre ein Fehler gewesen, mit der SPÖ weiterzumachen. Der Reformwille bei der FPÖ war größer.

STANDARD: Viele meinen, wenn man Schüssel wählt, dann gibt's noch einmal Schwarz-Blau.
Lopatka: Wir treten an, um so stark zu werden, dass ohne uns eine Regierungsbildung nicht möglich ist. Wer unserem Programm die Zustimmung gibt, mit dem wird die ÖVP arbeiten.

STANDARD: Auch wenn Haider noch in der FPÖ ist?
Lopatka: Es geht darum, unser Programm umzusetzen.

STANDARD: Wird es ein aggressiver Wahlkampf?
Lopatka: Ich bin gegen das Kriegführen. Natürlich sind wir alle Gegner im Wahlkampf, aber keine Feinde. Man muss ja nachher zusammenarbeiten - wer auch immer, die Konstellation ist ja die große Unbekannte.

STANDARD: Setzen Sie ausschließlich auf Schüssel?
Lopatka: Wir haben drei Dinge, die uns von SPÖ und FPÖ unterscheiden: eine unumstrittene Spitzenpersönlichkeit; ein Team, das man kennt; und drittens werden wir ein ganz klares Programm auf den Tisch legen, das zurzeit von sehr kompetenten Leuten erstellt wird. Die Federführung werden die Minister Gehrer, Bartenstein, Molterer und Klubobmann Khol übernehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

Mit Reinhold Lopatka sprach Martina Salomon.
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