Keimfreie Luft aus Schülerhand

30. September 2002, 19:54
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Fünf Nobelpreisträger küren EU-Nachwuchsforscher: zwei Deutsche und einen Finnen

Wien - Wie so oft in der Wissenschaft entstand auch die Idee zum Projekt von Gerhard Landauer und Michael Liebrecht (beide 17) aus dem harmlosen Gespräch. Die beiden HTL-Schüler aus Braunau diskutierten mit Lehrern im Chemie- und Begabtenunterricht. Am Ende stand eine gesundheitsfördernde Entwicklung: Sie bauten den ersten - "tatsächlich keimfreien" - Luftbefeuchter, hebt Landauer den Vorteil gegenüber bestehenden Fabrikaten hervor. Sie haben nun für "ein ganz simples Gerät, aber ganz professionell entwickelt" das Patent angemeldet, ergänzt Liebrecht.

Die beiden gehören zu den 85 Teilnehmern aus 34 Nationen, aus deren Kreis nun beim 14. "European Contest for Young Scientists" die Besten gekürt wurden. 63 Projekte von Jungwissenschaftern, alle unter 20, wurden eingereicht. Für die Oberösterreicher sowie die beiden HTL-Teams aus Waidhofen an der Ybbs und Mödling zählte letztlich der olympische Gedanke, dabei gewesen zu sein. Zu Siegern gekürt wurden nämlich zwei Deutsche und ein Finne für ihre wissenschaftliche Leistungen in den Bereichen Physik, Biologie und Chemie. Sie bekommen je 5000 Euro.

Physik der Sodadose

Die Untersuchung, wie Temperatur und Inhalt einer Sodadose deren Rollverhalten bestimmen, brachte einer Norwegerin einen Silberrang.

Nicht gewonnen zu haben ist für Landauer und Liebrecht nur halb so schlimm. Sie planen schon, sich mit ihrem Maturaprojekt beim nächsten Contest wieder zu bewerben.

Durchhaltevermögen, das auch die fünf eigens zur Preisverleihung angereisten Nobelpreisträger in ihrer Forscherkarriere beweisen mussten. Rezepte, wie man zu einem Nobelpreis kommt und als Wissenschafter oder Wissenschafterin reüssiert, bekam der Nachwuchs von Ivar Giaever (USA), Sir Harald Kroto (GB), Erwin Neher (D), Carlo Rubbia (I) und Ben Mottelson (DK) nicht zu hören. Erwin Neher: "Wenn Ihnen jemand Ratschläge dazu erteilt, befolgen Sie sie nicht."

Die anschließende Diskussion zwischen hoffnungsvollen und bereits arrivierten Forschern endete in Grundsätzlichem: "Gibt es Fragen in der Wissenschaft, die wir nie beantworten können?" Die Arrivierten erwarten dazu Erkenntnisse der Hoffnungsvollen. (aw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29. 9. 2002)

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