Eberswalde fordert Goldschatz zurück

15. September 2002, 11:30
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Die 81 Relikte aus der Bronzezeit wurden nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland geschafft ... und vergammeln dort womöglich noch in den Transportkisten

Eberswalde/Moskau - Der - wie erst seit zehn Jahren bekannt ist - im Moskauer Puschkin-Museum als Beutekunst gelagerte Eberswalder Goldschatz - der größte deutsche Goldfund aus der Bronzezeit - soll bis 2004 nach Deutschland zurück geholt werden. "Wir werden in absehbarer Zeit einen Brief nach Moskau schreiben", sagte Bürgermeister Reinhard Schulz. Ziel sei es, das wertvolle Kulturgut zur 750-Jahr-Feier der Stadt in zwei Jahren zeigen zu können.

Der 2,6 Kilogramm schwere Schatz aus purem Gold besteht aus 81 Teilen; darunter acht reich verzierte Trinkschalen sowie Hals- und Armbänder, Spiralringe und einige Barren. Der bedeutendste vorgeschichtliche Goldfund Deutschlands - er stammt etwa aus dem 9. Jahrhundert vor Christus - war 1913 in einem Tongefäß auf dem Gelände eines Messingwerkes bei Eberswalde gefunden worden. Er wurde 1945 zusammen mit dem Schatz des Priamos nach Russland gebracht und galt danach lange als verschollen.

Noch verpackt?

Im Berliner Schloss Charlottenburg war der Schatz bis zum Zweiten Weltkrieg gezeigt worden. "Seit 1942 hat ihn keiner von der deutschen Seite mehr gesehen", sagte der Direktor des dortigen Museums für Vor- und Frühgeschichte, Wilfried Menghin. Seinen Angaben zufolge liegt der Goldfund höchstwahrscheinlich noch in den Transportkisten. Es gebe keine Pläne, ihn zu zeigen, erklärte die Pressestelle des Moskauer Museums.

Nach Angaben des russischen Kulturministeriums ist der Schatz mehrmals Thema bei den deutsch-russischen Gesprächen zur so genannten Beutekunst gewesen, aber ohne großen Nachdruck. "Es ist kein offizieller Antrag auf Rückgabe gestellt worden", sagte der Chef der Rückgabe-Abteilung, Alexander Kibowski. Gemäß dem russischen "Beutekunst"-Gesetz gehört das Gold dem russischen Staat.

Eigentumsfrage

Nach deutscher Auffassung ist noch immer die Stiftung Preußischer Kulturbesitz der Eigentümer des Eberswalder Schatzes. Wie Menghin berichtete, legen mehrere internationale Gesetze fest, dass Kulturgut nicht zu Restitutionszwecken genutzt werden darf. Zudem habe die Bundesregierung mit der Russischen Föderation 1991/92 einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet, wonach unrechtmäßig erworbene Güter zurückzugeben sind.

Der Goldfund stehe auf der Prioritätenliste deutscher Rückführungsfälle, hieß es aus dem Hause von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD). "Die Chancen für die Rückkehr des Eberswalder Schatzes lassen sich derzeit überhaupt nicht einschätzen", meinte eine Sprecherin. (APA/dpa)

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