Römerzeitliche Gräber im Pustertal entdeckt

12. September 2002, 17:27
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Anlage umfasst die gesamte Zeitspanne der römischen Präsenz in Südtirol

Bozen - In der Nähe eines Sägewerks in St. Lorenzen im Südtiroler Pustertal sind die Grabstätten von 37 Menschen aus der Römerzeit gefunden worden. Besonders beeindruckend seien die bei den Gebeinen gefundenen Schmuckstücke und anderen Grabbeilagen wie Gefäße, erklärten Archäologen am Donnerstag in Bozen.

Dieses Gräberfeld könne als eines der ausgedehntesten römischen Gräberfelder betrachtet werden, das in den letzten Jahren in Südtirol freigelegt worden sei, hieß es. Als beeindruckend könne die Grabausstattung einer etwa 30-Jährigen bezeichnet werden, die mit Silberohrringen, mehrreihiger Glasperlenkette, einem Fingerring, einer Bronzefibel, einem Armband aus polygonalen Glasperlen, einem sehr fein gearbeitetem Glasbecher, einem Topf und einer Schüssel aus Keramik, einem Eisenmesser mit Bronzebändchen und einem Eisenpfriem mit Knochenverzierungen ausgestattet beigesetzt wurde. Gleichermaßen reich waren die Beigaben eines weiteren Grabes einer ungefähr 20-jährigen Frau, die zwei Goldohrringe mit Glasperlen sowie einen Silberring mit wahrscheinlich christlichem Namenszeichen, einen Glasbecher, ein Keramikgefäß sowie ein Eisenmesser umfassen.

Lage

Das Gräberfeld, das sich in südwestlicher Richtung über die zur Zeit in Grabung befindlichen Parzellen erstreckt, lag entlang einer Straße, die aus Sebatum kommend nach Osten führte. Zwei gemauerte Kistengräber sind zwei regelrechten kleinen Grabdenkmälern zuzuordnen, wie sie bei der wohlhabenderen Bevölkerungsschicht üblich waren.

Bisher konnten 84 Gräber freigelegt werden, die zu einem großflächigen, die gesamte Zeitspanne der römischen Präsenz in Südtirol - also vom 1. bis 4.-5. Jh. nach Christus - umfassenden Gräberfeld gehören. Bei den frühesten Gräbern handelt es sich um Brandbestattungen in Urnen von nicht weniger als 47 Personen, die in einfachen Erdgruben beigesetzt wurden. Ab dem 3./4. Jh. nach Christus setzte sich die Körperbestattung in Rückenlage durch, normalerweise mit Beigaben wie Schmuck, Keramikgefäßen, Waffen oder Geräten aus dem Alltag, wie sie auch bei den 37 in St. Lorenzen gefundenen Gräbern anzutreffen war. (APA)

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