Viennabike "killt" Touristen-Radverleih

13. September 2002, 13:15
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Das Gratisrad ist kein normaler Konkurrent - Verzerrter Wettbewerb durch Subventionen

Wien - Glaubt man Umfragen, ist das "Viennabike" der Liebling aller Wiener. Bloß: Rick Watts hat niemand gefragt. Denn der Radverleiher, dessen 1996 gegründetes Unternehmen auf geführte Radtouren für Touristen und Rad-ab- Hotel-Vermietungen spezialisiert ist, steht dem hochsubventionierten Vorzeigeprojekt mehr als skeptisch gegenüber.

"Wäre Viennabike ein normaler Konkurrent, würde ich sagen: Willkommen im Wettbewerb", erklärt Watts, "aber gegenüber einem Unternehmer, der nach den Gesetzen des freien Marktes agiert, hat ein subventionierter Verein unfaire Wettbewerbsvorteile." Und zwar so unfair, dass Watts befürchte, seine Firma "Pedal Power" zusperren zu müssen: "Seit Mitte Juli sind unser Umsätze um 80 Prozent zurückgegangen." Mitte Juli fand der zweite, erfolgreiche, Start des Gratisradprojektes statt - und "Viennabike"-Betreiber wie Rathauspolitiker freuen sich darüber, dass auch Touristen per Gratisrad Wien erkunden würden.

Zwölf private Radvermieter bieten insgesamt 500 Räder an

In Wien, rechnet Watts vor, bieten zwölf private Radvermieter insgesamt 500 Räder an. Viennabike hat 1500. Nicht zuletzt, um das Überleben der Rad-Unternehmer zu sichern, wurde darum das mit zwei Millionen Euro subventionierte Projekt auf die radverleihlosen Innenbezirke beschränkt. Watts - Firmensitz ist im zweiten Bezirk - lebt davon, Touristen Fahrräder in die Cityhotels zu liefern.

Mitte September wird Viennabike evaluiert

Dafür ist man ihm nicht zuletzt beim Wiener Tourismusverband äußerst dankbar: "Pedal Power hat das touristische Produkt Wien um eine ganz wichtige Facette bereichert", erklärt Vera Schweder vom Wientourismus. Würde die Firma zusperren, "wäre das äußerst bedauerlich."

Im Büro des für Viennabike verantwortlichen Planungsstadtrates Rudolf Schicker (SP) ist man zurückhaltend: "Wir hören das zum ersten Mal. Mitte September wird Viennabike evaluiert - da wird das berücksichtigt."

Wettbewerbs-Klage

In der Wirtschaftskammer, erklärt Watts, habe man ihm nicht helfen können: Eine Wettbewerbs-Klage gegen einen von der Stadt gewollten, subventionierten Verein wäre wenig zielführend. Dabei, ist Watts sicher, "haben alle vergleichbaren Gratisradprojekte aufgeben müssen, wenn sie keine Subventionen mehr bekamen - da wird Viennabike nicht anders sein. Nur: Dann gibt es uns nicht mehr." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 13.9.2002)

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