"Hausaufgaben machen"

12. September 2002, 23:35
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Keine Milliarden- Investitionen - Bertelsmann will vor allem aus eigener Kraft wachsen - Börsegang aus Finanzgründen nicht notwendig

Beim Medienkonzern Bertelsmann sind in den nächsten zwei Jahren keine Milliarden-Investitionen zu erwarten. Das Unternehmen wolle vor allem aus eigener Kraft wachsen, sagte der seit sechs Wochen amtierende Vorstandschefs Gunther Thielen am Donnerstag in Frankfurt vor Journalisten. Allerdings schaue Bertelsmann bei den derzeit angebotenen Unternehmensteilen großer Medienkonzerne wie Vivendi Universal "schon intensiv hin, und wir können uns im Rahmen unseres Budgets auch einiges leisten".

Zunächst "müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen", sagte Thielen, der schon mehr als zwei Jahrzehnte als Chef der Dienstleistungssparte dem Bertelsmann-Vorstand angehört. Derzeit befinde sich Bertelsmann über der hausinternen Verschuldungsquote. Wie Finanzvorstand Siegfried Luther ergänzend mitteilte, werde man Ende 2002 wieder unter der Grenze von vier Mrd. Euro liegen. Eine geplante Mrd.-Anleihe liege wegen des schlechten Marktumfeldes weiterhin auf Eis.

Pixelparks Zukunft

Es bleibe beim Verkauf der Fachinformationssparte BertelsmannSpringer, "wenn der Preis stimmt", sagte Thielen. Bis zum 1. Quartal 2003 rechne er mit dem Vollzug. Zur Zukunft der Multimedia-Agentur Pixelpark, an der Bertelsmann maßgeblich beteiligt ist, sagte Thielen, das Unternehmen gehöre zwar nicht zum Kerngeschäft, man suche aber nach einer unternehmerischen Lösung, die in neuer Partnerschaft, neuen Produkten oder dem Verkauf bestehen könnte.

Rendite steigern

Sein Ziel sei es, wie schon von seinem Vorgänger Thomas Middelhoff formuliert, die Rendite des Unternehmens trotz schwieriger Konjunkturlage nachhaltig auf 10 Prozent bis zum Jahr 2005 zu steigern. Zu diesem Zeitpunkt kann der Bertelsmann- Minderheitsgesellschafter, die belgisch-kanadische Finanzholding GBL, ihre Anteile von 25,1 Prozent theoretisch an die Börse bringen. Wie Thielen bekräftigte, haben aber die Mehrheitsgesellschafter (17,3 Prozent hält die Familie Mohn, 57,6 Prozent die Bertelsmann-Stiftung) für die GBL-Anteile ein Vorkaufsrecht.

Kein Börsegang

Aus Finanzgründen müsse Bertelsmann nicht an die Börse gebracht werden, so der Vorstandschef. Ein jährliches Wachstum von acht bis zehn Prozent könne das Unternehmen aus eigener Kraft finanzieren. Bereits für das 2. Halbjahr 2002 sagte Thielen eine "erhebliche" Gewinnverbesserung voraus. Ein starker Gewinnbringer sei das Fernsehen. Bertelsmann ist mit rund 90 Prozent an Europas größter Radio- und TV-Holding RTL Group beteiligt. Ungeachtet der schlechten Werbekonjunktur sei dieser Geschäftszweig als einziger Bertelsmann- Bereich in diesem Jahr gewachsen.

Im 1. Halbjahr schrumpfte der Konzernumsatz wegen der dramatischen Einbrüche auf dem Werbemarkt auf 8,83 Mrd. Euro nach 9,29 Mrd. im Vorjahreszeitraum. Der Jahresüberschuss hingegen verdreifachte sich von 577 Mill. auf 1,63 Mrd. Euro. Der operative Gewinn wurde mit 157 Mill. Euro ausgewiesen. (APA/dpa)

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    Gunter Thielen

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