Ankerbrot bittet Mitarbeiter zur Kassa

12. September 2002, 17:30
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Freiwilliger Verzicht auf Urlaub oder Weihnachtsgeld soll Großbäcker wettbewerbsfähiger machen

Wien - Der zur deutschen Müller-Brot gehörende Wiener Großbäcker Ankerbrot bittet seine rund 2.000 österreichischen Mitarbeiter zur Kassa. Die Belegschaft verzichtet unter anderem auf Urlaubsansprüche oder knapp ein Viertel des Weihnachtsgeldes. Die Beiträge seien dabei individuell zugeschnitten und "durchwegs freiwillig", erklärt Ankerbrot-Vorstand Hans Müller im "WirtschaftsBlatt". Ein Großteil der Belegschaft hätte den Maßnahmen auch schon zugestimmt.

Im Nachteil

Anlass für das Sparpaket sei der im Vergleich zur Konkurrenz zu hohe Lohn "und nicht, dass wir keine Löhne zahlen können", wie vom Management betont wird. Ankerbrot fällt unter den Kollektivvertrag der Brotindustrie, der Großteil der Konkurrenz zählt zu handwerklichen Betrieben. Und das sei, so Müller, massive Wettbewerbsverzerrung. "Unsere Lohnkosten sind um 10 bis 15 Prozent höher als jene der Handwerksbetriebe, die Kündigungszeiten drei mal so lang." Versuche, andere Großbäcker in den KV der Industrie zu zwingen, seien bisher gescheitert. Müller: "Wir haben den Laden gut im Griff." Aber: "Unter diesen unfairen Bedingungen bleibt uns die Luft weg." Der freiwillige Verzicht der Mitarbeiter sei daher ein Schritt zum Gleichstand.

Betriebsrat gelassen

Ankerbrot-Betriebsrat Kurt Schönwetter bleibt ob der Einsparungen gelassen: "Solche Tiefs gab es schon öfters. Wir sitzen schließlich alle im selben Boot", sagt er in der Zeitung. Ankerbrot werde auf jeden Fall weiterhin jede rechtliche und politische Möglichkeit ausschöpfen, um die KV-Ungleichheit zu beseitigen.

Die Kammer selbst sehe jedoch keine Wettbewerbsverzerrung, heißt es in dem Bericht weiter. Ob ein Betrieb dem Gewerbe oder der Industrie angehöre, sei kammerintern durch Gutachten abgeklärt, sagt Reinhard Kainz, Chef der Lebensmittelgruppe in der Wirtschaftskammer. Und ein bloßer Vergleich von KV-Sätzen sei nicht praxisgerecht. "Man muss sich ansehen, was tatsächlich bezahlt wird."

Sanierung

Ankerbrot will wie berichtet heuer, vor dem Hintergrund starker Markteinbrüche, die Sanierung abschließen. Ein Job-Abbau sei nicht geplant, und an den bestehenden 212 Standorten wird laut Müller nicht mehr gerüttelt. (APA)

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