Russische Airline fordert mächtig Schadenersatz

12. September 2002, 18:43
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Wegen Skyguide Fluglotsenversagen kam es zum Bodensee-Absturz - auch die Klagen der Hinterbliebenen sind noch offen...

Berlin - Nach der Flugzeugkollision über dem Bodensee verlangt die russische Fluggesellschaft Bashkirian Airlines 20 Millionen Dollar (20,5 Mill. Euro) Schadensersatz von der Schweizer Flugsicherung Skyguide und dem Frachtunternehmen DHL. Die entsprechende Forderung werde derzeit vorbereitet, sagte der Berliner Anwalt Elmar Giemulla am Donnerstag.

Sollten die Verhandlungen über die Haftungsfrage in den kommenden drei Wochen nicht zum Erfolg führen, werde eine Klage eingereicht. Beim Zusammenstoß einer Passagiermaschine der Bashkirian Airlines mit einem DHL-Frachtflugzeug am 1. Juli waren alle 71 Menschen an Bord beider Maschinen getötet worden.

Forderungen sollen an deutsche Regierung gehen

In einem ersten Kontakt mit den Anwälten von Skyguide wiesen diese laut Giemulla jegliche Haftung mit der Begründung zurück, die Kollision habe sich in deutschem Luftraum ereignet. Deshalb seien etwaige Forderungen an die deutsche Regierung zu richten. Dazu sagte der Berliner Jurist: "Wenn die unbedingt wollen, dass die Fehler, die sie gemacht haben, in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden, dann müssen sie nur weiter darauf beharren, dass sie mit der Haftung nichts zu tun haben."

Fluglotsen hätten Zusammenstoß zu verantworten

Nach der Argumentation von Giemulla haben die Schweizer Fluglotsen versagt und deshalb den Zusammenstoß zu verantworten. Gegen die DHL-Piloten richtet er den Vorwurf, dass diese nicht mehr auf den Funkspruch ihrer russischen Kollegen reagiert hätten, nachdem sie auf Anweisung der Lotsen ihre Flughöhe verändert und sich damit in der kritischen Höhe befunden hätten. Auch die DHL-Piloten hätten das Unglück noch verhindern können, meinte Giemulla.

Klage der Hinterbliebenen noch offen

Ob auch die Hinterbliebenen der Opfer den Berliner Anwalt mit einer Schadensersatzklage beauftragen ist noch nicht entschieden. Der "Stuttgarter Nachrichten" sagte Giemulla, er halte eine sechsstellige Summe für jedes Opfer für realistisch. "100.000 Dollar ist die Untergrenze, 900.000 Dollar oder mehr wären ein Glücksfall." Ein Großteil der Opfer bei dem Flugzeugunglück waren Kinder und Jugendliche aus der russischen Wolgarepublik Baschkortostan, die auf dem Weg in den Urlaub nach Spanien waren. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Triebwerk der verunglückten russischen Passagiermaschine

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