IWF warnt vor Panikverkäufen an den Börsen

12. September 2002, 14:57
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Aufschwung weltweit schwächer als bisher angenommen

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt angesichts der Verunsicherung vieler Anleger vor Panikverkäufen an den Aktienmärkten und weltweiten Turbulenzen auf den Kapitalmärkten. Sollten politische und wirtschaftliche Hiobsbotschaften vor allem in den wichtigen Entwicklungsländern jedoch ausbleiben, sei damit zu rechnen, dass die internationalen Finanzsysteme widerstandsfähig und stabil bleiben, schreibt der IWF am Donnerstag in einem Bericht über die Lage der weltweiten Kapitalmärkte. Der Konjunkturaufschwung werde in aller Welt schwächer ausfallen als bisher angenommen.

Besonders neue Bilanzskandale könnten das Vertrauen der Privatanleger weiter erschüttern und durch Kundenbankrotte belastete Banken veranlassen, ihre Kreditrahmen zu kürzen. "Das könnte Marktbedingungen schaffen, in denen Angst mehr Angst produziert und Panikverkäufe stattfinden", schrieb die Kapitalmarkt-Abteilung des IWF unter der Leitung des Deutschen Gerd Häusler. "Die unmittelbaren Risiken, die damit verbunden wären, schließen das Potenzial globaler Marktturbulenzen ein, einschließlich schwerer Folgen für die aufstrebenden Märkte."

Nicht zwangsweise Liquiditätsprobleme

Verluste der großen Banken könne vor allem Institute in Europa veranlassen, ihre Risiken weiter zu beschränken und Kredite zu verweigern. In den USA könnte ein Rückgang der Kapitalzuflüsse Probleme bereiten. Dies müsse allerdings nicht zwangsweise abrupte Liquiditätsprobleme verursachen, schreibt der IWF.

Die Entwicklung in Brasilien betrachtet der IWF mit Sorge. Sollten Investoren der künftigen Regierung misstrauen und sich weiter zurück ziehen, könne sich die Finanzkrise in der Region ausweiten. Schon jetzt kämen Unternehmen in aufstrebenden Märkten auf den internationalen Kapitalmärkten immer schwieriger an Kredite. "Anhaltende Schwäche und Unsicherheit an den Aktienmärkten könnte einen weiteren Rückzug aus den aufstrebenden Märkten nach sich ziehen, vor allem, wenn die globalen Wachstumsprognosen weiter nach unten korrigiert werden." (APA/dpa)

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