Haupt will "Übersetzer" Haiders sein

12. September 2002, 19:08
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Der FPÖ-Neo-Spitzenkandidat will im Wahlkampf "ausgleichend" wirken, schließlich sei er vom Sternbild "Waage"

Wien - Der freiheitliche Spitzenkandidat für die Nationalratswahl, Sozialminister Herbert Haupt, will sich im Wahlkampf ausdrücklich für den sprichwörtlichen "kleinen Mann" einsetzen. Demgemäß auch seine vorrangigen Anliegen: Inflationsabgeltung bei den Pensionen, erster Schritt der Steuerreform im ersten Halbjahr 2003, grundsätzlich mehr Geld für Bezieher kleiner Einkommen. Bei den Themen Temelin und Benes will Haupt hart bleiben. Den parteiinternen Streit sieht er gelassen: "Wir haben alle Fehler gemacht. Zum Streiten braucht man aber immer Zwei", so Haupt im APA-Interview am Donnerstag.

Freude

Dass er gestern von den FPÖ-Gremien als Wahlkampf-Frontmann auserkoren worden ist, freut Haupt sichtlich. Und dass es explizit mit Hinblick auf den "kleinen Mann" geschehen sei, empfinde er keineswegs als Herabwürdigung, sondern als Auszeichnung: "Ich bin bekannt dafür, die Wahrheit zu sagen und trotzdem mit dem Mann von nebenan zu können", betont Haupt. Er freue sich über die breite Zustimmung, die er gestern bekommen habe.

"Übersetzer und Erklärer der Haiderschen Ideen"

Im Wahlkampf will Haupt ausgleichend wirken. Eine Frontfrau an seiner Seite würde er begrüßen, auf einen Namen legt er sich jedoch nicht fest: Sowohl Ursula Haubner als auch Mares Rossmann würden ihn unterstützen. Auf die Frage, ob man Jörg Haider angesichts dessen Verhalten in den vergangenen Wochen noch vertrauen könne, meint Haupt: "Haider ist in seiner Gedankenwelt den Menschen meist voraus. Viele seiner Konzepte, die heute wie Bocksprünge ausschauen, sind später erst nachvollziehbar". Daher will er, Haupt, als "Übersetzer und Erklärer" der Haiderschen Ideen und Vorhaben wirken.

Integrationsfigur

Haupt sieht sich auch als Integrationsfigur. Er will all jene wieder ins freiheitliche Boot bekommen, die abgesprungen sind oder weg wollen: "(Hubert) Gorbach wird wieder als stellvertretender Parteichef dabei sein", freut sich Haupt. "Ich habe versucht, beide FP-Lager zu versöhnen, beide haben mir Unterstützung im Wahlkampf zugesagt. Das ist eine gute Ausgangsbasis". Was ist mit dem interimistischen FPÖ-Geschäftsführer Herbert Scheibner? "Scheibner hat massive Schwierigkeiten. Er hat einen Auftrag Riess-Passers (Vizekanzlerin, die die FP-Leitung zurückgelegt hat, Anm.) korrekt ausgeführt, und ist unverdienterweise von manchen, die das nicht gewusst haben, als 'Brutus' denunziert worden".

Sternbild Waage

Riess-Passer werde beim Parteitag am 21. September ordnungsgemäß ihre Geschäfte übergeben, dann "wird man sehen, ob und welcher Form sie noch in der FPÖ mitarbeiten wird. Ich würde es gern sehen, wie sie dabei ist". Das Vermitteln, die gemeinsame Zukunft in der FPÖ, sei ihm großes Anliegen, "das ist vielleicht meine Stärke. Schließlich bin ich Sternbild Waage, ausgleichend und tarierend".

Ein Mehrstufenplan für die Steuerreform soll "in den ersten drei Monaten 2003 vorliegen, der erste Entlastungsschritt im ersten Halbjahr 2003 erfolgen", sagt Haupt. Die Steuerbefreiung will er anheben, genaue Summe dafür hänge von den Wirtschaftsexperten ab.

Temelin: Veto bleibt aufrecht

Stichwort Temelin: "Das Veto bleibt aufrecht, wenn sich Tschechien nicht bewegt. Es muss ein klares Ausstiegsszenario geben, das die Sicherheit der österreichischen Grenzbereiche gewährleistet. Sonst gibt es keine Ratifizierung im österreichischen Parlament". Auch im Fall der Benes-Dekrete erwartet Haupt Beweglichkeit der Tschechen.

Was die Pensionen anlangt, ist Haupt dafür, noch vor der Wahl die Nettoanpassung aufzuheben und zu einer Inflationsabgeltung überzugehen.

Für alte und behinderte Menschen besonders einsetzen

Für alte Menschen und Behinderte will er sich besonders einsetzen, für entsprechende Berufe strebt er eine einheitliche Ausbildung an. Anliegen sei ihm auch die Absicherung der Frauenpensionen, ein Scheck für Sachleistungen für behinderte Menschen zusätzlich zum Pflegegeld und - last but not least - ein bundesweites Tierschutzgesetz.

Glaube an mehr als 20 Prozent

Haupt glaubt, dass mehr als 20 Prozent Stimmanteil für die FPÖ bei der Wahl erreichbar sind. Dann ist er für eine Neuauflage von Blau/Schwarz. "Andere Option haben wir nicht, die Sozialdemokraten haben ja schon vor der Wahl die Tür zugeworfen". Aber - auch in dieser Beziehung sieht er noch nicht aller Tage Abend: "Ich bin bekannt für meine gute Gesprächsbasis mit allen Fraktionen und auch Haider hat in Kärnten wechselnde Mehrheiten erzielt".

Weiterregierung als Ziel

Haupt strebt an, auch in der nächsten Legislaturperiode als Sozialminister zu arbeiten: "Ich will jene Aufgaben, die noch nicht umgesetzt sind, fertig machen". Dazu zählten die endgültige Einführung der Chipkarte, die Zusammenführung der Versicherungsanstalten, Reformen im Gesundheitsbereich. Und wenn es für die Regierung nicht reicht? "Dann werde ich im Parlament weiter meine Aufgaben erfüllen".

"Fleischgewordene Belastungswelle"

Die Opposition schießt sich auf Haupt als "fleischgewordene Belastungswelle" ein. Nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert wurde Haupts angeschlagener Gesundheitszustand: Er leidet unter Hepatitis C, ist derzeit aber nach eigenen Angaben virenfrei. (APA/eli, jub, mue/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2002)

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