ORF schafft im Halbjahr doch "schwarze Null"

12. September 2002, 19:16
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Dennoch muss am Personal gespart werden - Lindner schließt vorzeitige Pensionierungen nicht aus - Bei FM4 ereilt FP-Stiftungsräte plötzlicher Drang

Warum verließen Donnerstag einige der FPÖ zugerechnete ORF-Stiftungsräte den Saal, als sie sich zum Fortbestand von FM4 bekennen sollten? "Nicht aus taktischen Gründen", sagt Vorsitzender Klaus Pekarek, vom Land Kärnten ins oberste ORF-Gremium entsandt, der selbst sehr wohl mitstimmte: "Sondern aus menschlichen."

Dank blauen Drangs wurde die Resolution Karl Krammers (SP) für den Erhalt des Jugendradios "einstimmig angenommen". Die Grazer Styria Medien AG (Kleine Zeitung, Presse) forderte die Privatisierung, der Werbefachverband eine "Neustrukturierung".

"Banausische Ideen"

FM4 soll sich der ORF also nicht sparen, anderswo freilich plant das die Anstaltsleitung sehr wohl.

Kürzungen könnten etwa auf Kosten des Radio-Symphonieorchesters gehen. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner: "Keiner ist interessiert an einem Niedergang dieses hervorragenden Orchesters." Aber: Man suche nach "Möglichkeiten, die für alle Teile vertretbar sind". DER STANDARD berichtete bereits von Überlegungen, den Klangkörper mit anderen Orchestern zusammenzuführen. Lindner: "Es kann keine Rede davon sein, dass wir uns der Verantwortung völlig entschlagen." Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler spricht von "banausischen Ideen".

Personaleinsparungen

Zu sparen gilt es auch am Personal. Einhellig bestreiten Geschäftsführung und Betriebsrat ein "Geheimpapier" zum Thema. "Papiere" aber "gibt es genug", sagt Lindner, mit "Überlegungen" und "Möglichkeiten".

Eine Möglichkeit lautet, anno 2003 Mitarbeiter per "Golden Handshake" früher in Pension zu schicken. Lindner bestätigt, "immer wieder" sei von derlei Maßnahmen "die Rede". "Auch andere große Unternehmen versuchen so, ihre finanzielle Situation in den Griff zu kriegen."

Über Plan

Das Geld dafür - unbestätigte rund zehn Millionen Euro - plant Alexander Wrabetz schon aus dem diesjährigen Budget zu holen. Das Geschäftsjahr entwickelt sich schließlich deutlich besser als prognostiziert, sagt der Kaufmännische ORF-Direktor.

Von 50 Millionen Euro Verlust 2002 ging der Manager aus. Tatsächlich schaffte die Anstalt im ersten Halbjahr eine "schwarze Null", so Wrabetz. Stiftungsratschef Pekarek präzisiert: 500.000 Euro Plus. Auch das dritte Quartal liegt über Plan.

Dennoch folgt daraus kein ausgeglichenes oder gar positives Ergebnis im Gesamtjahr, widersprechen Wrabetz und Pekarek. Ebenso Schätzungen von Stiftungsräten, das Minus dürfte nun bei 18 bis 20 Millionen Euro liegen.

Nulllohnrunde

Diskutiert wird auch eine Nulllohnrunde. Lindner dazu: "Ich will niemandem etwas über die Zeitung ausrichten lassen. Aber die Situation ist angespannt." Betriebsratschef Fiedler kann sich solcherlei "einfach nicht vorstellen". Montag beginnen die Verhandlungen mit der Belegschaft über Sparmaßnahmen.

Auch der Stiftungsrat der Grünen, Wolfgang Zinggl, würde gerne einsparen. Nämlich seinen Ratskollegen Norbert Gugerbauer (FPÖ). Dass der Geschäftsführer einer Firma namens Jusline (Verlag Österreich) ist, sei unvereinbar mit dessen ORF-Mandat, meint Zinggl. Das Gesetz schließt Angestellte und Gesellschafter anderer Medienunternehmen vom Stiftungsrat aus. Der ORF lässt nun die Vereinbarkeit prüfen. (Harald Fidler/ DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

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