Wiener Polizisten k.o. geschlagen

12. September 2002, 14:37
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Opfer hat "die Sterndln g'seh'n" - Richter machte von Diversion Gebrauch

Wien - "Ich hab in letzter Zeit zum Alkohol gegriffen, was ich nicht tun sollte, weil es dann eng wird. Das hat dann nämlich überhand genommen", erzählte ein 37-jähriger Optikermeister am Donnerstag im Wiener Landesgericht. "Bei fünf Bier fällt man nicht um", wusste allerdings Richter Frederick Lendl. Sein Gegenüber dürfte am 16. Juli aber mehr erwischt haben. Sonst hätte er sich nicht am helllichten Tag im Esterhazypark in Wien-Mariahilf zum Schlafen hingelegt - und in weiterer Folge wohl auch nicht einen Polizeibeamten k.o. geschlagen.

"Ich bin lang dabei, und es passiert immer wieder was. Aber das war schon außergewöhnlich", berichtete der in Mitleidenschaft gezogene Polizist. Als er zufällig an dem Schlummernden vorbeikam, hatte er nicht ganz zu Unrecht auf eine Alkoholvergiftung getippt. Er verständigte die Rettung und versuchte dann, den Mann zu wecken, was schließlich auch gelang. "Ich bin schon nicht mehr da, Herr Inspektor", sprang dieser auf.

"Ein klassischer K.o.-Schlag"

Ein Satz, der mitunter nicht das bedeutet, was er eigentlich verspricht. "Plötzlich bin ich da g'sess'n und hab' die Sterndln g'seh'n", erinnerte sich der Polizist. "Ein klassischer K.o.-Schlag also", bemerkte der Richter. "Ja. Ich habe auf ihn hingeschlagen, was ich bis heute nicht verstehe. Das bereitet mir bis heute schlaflose Nächte", gab sich der Beschuldigte ganz zerknirscht.

Die Anklage lautete auf schwere Körperverletzung. Was offensichtlich sogar der Beamte ein wenig übertrieben fand. Der Richter fand eine salomonische Lösung: Er machte von der Diversion Gebrauch. Der Optiker erklärte sich bereit, eine Buße von 1.200 Euro zu entrichten und dem Polizisten ein Schmerzensgeld von 300 Euro zu bezahlen. Dafür wird das Verfahren vorerst eingestellt, der bisher Unbescholtene entgeht einer Vorstrafe.

Das Opfer war damit einverstanden. "So unbürokratisch geht das bei Euch normalerweise nicht", stellte er fest. "Dafür müssen Sie auch keinen Bericht schreiben", wünschte ihm der Richter noch einen schönen Tag. (APA)

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