Mustersiedlung im Architekturzentrum

12. September 2002, 14:23
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Projekt "Neues Wohnen in Wien" von neun prominenten Architekten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland

Wien - Am westlichen Stadtrand Wiens soll in unmittelbarer Nähe zu Westbahn und Mauerbach in den kommenden Jahren eine Mustersiedlung entstehen, in der neun prominente Architekten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland nach einem von Adolf Krischanitz erarbeiteten Masterplan Modelle des Wohnens zwischen Einfamilienhaus und Mehrgeschoßbau entwickeln. "9=12 Neues Wohnen in Wien" heißt die Präsentation des Projekts im Architekturzentrum Wien (Az W), die am Donnerstag öffnet. Die Differenz von neun auf zwölf erklärt sich übrigens durch die Tatsache, dass Krischanitz als einziger gleich vier Einzelbauten ausführt.

Kompetitive Situation

Aus Österreich sind neben Krischanitz Hermann Czech und Heinz Tesar mit dabei, aus der Schweiz Roger Diener, Peter Märkli sowie Marcel Meili gemeinsam mit Markus Peter, aus Deutschland Max Dudler, Hans Kollhoff und Otto Steidle. "Keiner von diesen Architekten hätte es notwendig, sich mit einem kleinen Wohnhaus am Rande Wiens zu beschäftigen", meinte AzW-Leiter Dietmar Steiner, der das Entstehen der "Mustersiedlung in der Tradition der Werkbundsiedlungen" mit Veranstaltungen und Publikationen begleiten möchte.

Die "besondere kompetitive Situation der Zusammenarbeit" auf dem Grundstück, deren Baufelder unter den Teilnehmern verlost worden wären, hätte die Architekten jedoch gereizt. Fragen zum Wohnen an der Peripherie und zu neuen Nutzungsmöglichkeiten des Baustoffs Beton hätten im Rahmen von Workshops zu sehr unterschiedlichen Lösungen geführt.

Vorwegnahme aus Beton

Aus Beton ist auch das zentrale Modell der bis 27.1.2003 geöffneten Schau, die im Anschluss in das Architekturmuseum Basel übersiedelt und von einer ausführlichen "hintergrund"-Sondernummer begleitet wird. Als "eine Art Vorwegnahme" (Krischanitz) des Kommenden wurden die zwölf Einzelbauten als Modelle im Maßstab 1:25 ebenfalls in Beton gegossen - eine technologische Herausforderung auch für das Unternehmen Lafarge Perlmooser, das gemeinsam mit anderen Firmen das Projekt mitfinanziert.

Trotz des Baustoffs Beton werde die Siedlung, deren Bau im kommenden Jahr begonnen werden soll, keinesfalls bloß Grau in Grau werden, betonte Krischanitz. So plante er selbst u.a. ein Ensemble aus drei kleinen Einheiten, deren von einer Dämmschicht aus Foamglas gebildete Außenhülle "wie ein Baumhaus" von Pflanzen überwuchert werden soll.

Dann einmal 1:1-Ausstellung

Auch sonst wird auf Grünraum Wert gelegt: Landschaftsarchitektin Anna Detzlhofer plant die Gestaltung der Freiräume auf dem 4.100 Quadratmeter großen in Wien-Hütteldorf gelegenen Grundstück. Auf einem von zehn Monitoren erläutert sie neben ihren neun männlichen Kollegen im Gespräch mit Othmar Schmiderer ihr Konzept. Die 35 Wohnungen, die im geförderten Wohnbau bis 2004 errichtet werden, sollen zunächst zwei bis drei Monate leer stehend als 1:1-Ausstellung dienen und danach über Wohnbaugesellschaften vergeben werden.

Interessenten dürften zwei mögliche Hürden zu überwinden haben: Das Grundstück ist zwar "sehr schön", aber durch die unmittelbare Nähe zur Westbahn "nicht unlaut" (Krischanitz) - ein Umstand, dem durch massive Bauweise und besondere Schallschutzmaßnahmen begegnet werden soll. Und schließlich, meinte Steiner, stellten die Wohnungsgrundrisse gelegentlich eine Herausforderung für die künftigen Bewohner dar - wie es sich eben für "ein experimentelles Projekt" gehört. (APA)

Service

"9=12 Neues Wohnen in Wien", Architekturzentrum Wien, Museumsquartier, 13.9. bis 27.1.2003, tgl. 10-19 Uhr

Link

www.azw.at

  • Artikelbild
    grafik: azw
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