Herbert Haupt - Erfolgreich nur in tierischen Materien

12. September 2002, 13:14
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Glückloser Sozialminister nun als Risikokandidat

Wien - Mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Herbert Haupt geht die FPÖ ein Hasard-Spiel ein. Denn als Sozialminister macht der 54-jährige Kärntner aus Seeboden in den vergangenen zwei Jahren oft keine allzu glückliche Figur. Mit Wonne registrierte man schon am Mittwoch bei der Opposition die Kür Haupts. Alle Pannen von der Causa Fabel über die Affäre Gaugg bis hin zu den unbeliebten Sozialmaßnahmen wie Ambulanzgebühr und Unfallrenten-Besteuerung wurden bereits hervorgekramt. Punkten könnte der Sozialminister mit seinem umsichtigen Vorgehen in der BSE-Krise und seiner Leutseligkeit, die ihm Wahlkampf wohl gefragt sein wird.

Charakteristisch für die Amtstätigkeit Haupts waren vor allem seine Probleme, sich klar auszudrücken. Die Folge waren unzählige Rückzieher des Sozialministers. So war er einst bereit, auf Wunsch Jörg Haiders eventuell zurückzutreten, und musste nicht einmal 20 Minuten später schon wieder dementieren. Ein anderes Mal ging er in den Ministerrat und wollte Hauptverbands-Präsident Hans Sallmutter vorerst einmal nicht ablösen und kam eine halbe Stunde später wieder heraus, um ihn (rhetorisch) sofort aus dem Amt zu jagen, was dann monatelang ohnehin nicht gelang. Begünstigt wurden diese Irrungen und Wirrungen nach Meinung von Journalisten durch eine nicht immer gerade professionelle Pressearbeit seiner Mitarbeiter.

Nicht recht viel weiter brachte Haupt auch in seinen Kern-Gebieten. Bei der Pensionserhöhung scheiterte er mit seinen Wünschen nach einer kräftigen Anhebung kläglich an Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Im Gesundheitswesen fiel ihm bis heute nicht einmal ein Reform-Ansatz ein. Ambulanz-Gebühr und Hauptverbands-Reform könnten noch im Herbst vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben werden. Als Frauenminister fiel Haupt nur auf, als er eine eigene Männerabteilung etablierte. Zu den raren Erfolgen gehörten die Umsetzung des Kindergelds sowie die Behindertenmilliarde.

Dazu kamen noch Haupts diverse Personalprobleme. Da gab es etwa Ute Fabel, seine zunächst viel gepriesene Kabinettschefin, die dann aber wegen ihres vorgetäuschten Magister-Titels ihren Posten räumen musste. Nicht viel besser erging es Haupt mit seinem alten Freund Reinhart Gaugg, dessen Tätigkeit in der Pensionsversicherungsanstalt nach einer langen Privilegien-Diskussion mit einer Alko-Fahrt ihr Ende nahm. Ebenfalls keine glückliche Hand bewies Haupt, als er seine frühere Mitarbeiterin Christine Weber zur Leiterin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung ernannte, und dies obwohl ein Gutachten sie als nur "in geringerem Ausmaße geeignet" für die Position bezeichnete.

Voll in Fahrt kam Haupt eigentlich nur, wenn es um sein eigentliches Fachgebiet, die Tiermedizin, ging. In der BSE-Krise zeigte er ebenso rasches und umsichtiges Vorgehen wie beim Hormon-Fleisch-Skandal. Ansonsten fiel er nur positiv auf, als es darum ging, bei Parteiveranstaltungen für gute Stimmung zu sorgen.

Ob Haupt für den Wahlkampf taugt, wird er in den kommenden zwei Monaten zu beweisen haben. Bei seiner Antritts-Pressekonferenz als Spitzenkandidat wartete der Sozialminister jedenfalls gleich mit einem seiner häufigen Versprecher auf, als er von der "Nationalmannschaft" im Nationalrat sprach. Überdies zum Problem könnte Haupts angeschlagener Gesundheitszustand werden. Der langjährige Weggefährte Jörg Haiders leidet unter Hepatitis C, ist momentan aber nach eigenen Angaben virusfrei. Dass er sich trotzdem zur Verfügung stellt, wird innerparteilich mit seiner Nibelungentreue zu Jörg Haider begründet. Bei einem Scheitern wird sich der Tierarzt nach eigenen Angaben wieder seinem erlernten Beruf zu wenden und mehr Zeit seiner Frau und den von ihm geliebten Gartenzaun-Gesprächen widmen. (APA)

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    Herbert Haupt

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