Die Störche blieben heuer länger

12. September 2002, 12:52
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Das Nahrungsangebot nach den Überschwemmungen war reichlich - gebrütet haben dennoch nicht viele

Wien - Vergleichsweise spät haben sich heuer die in Österreich brütenden Störche zum Abflug entschlossen, zu verlockend war das Nahrungsangebot nach den Überschwemmungen. Aber nun gilt: "Ich bin schon weg" - die prächtigen, schwarz-weißen Vögel sind bereits alle auf dem Weg ins warme Afrika.

Der Herbst ist aber nicht nur Zeit des Abschieds von vielen Zugvogel-Arten. Ornithologen erwarten demnächst die Ankunft etwa von Saatkrähen und Wacholderdrosseln. Sie fliehen sozusagen vor dem russischen Winter ins vergleichsweise milde Klima Österreichs.

Eher wenig Nachwuchs

Genaue Storchenzahlen sind derzeit noch in der Auswertung, lokal dürfte es heuer aber mit den Nachwuchszahlen nicht so toll aussehen. "Das Frühjahr war teilweise sehr trocken, viele Storchenpaare haben es daher erst gar nicht mit der Brut versucht", erklärte Andreas Ranner von der Vogelschutzorganisation BirdLife. Die Vögel, die das Brutgeschäft aber doch angegangen sind, haben dann ganz gute Bedingungen vorgefunden. Bei der Anzahl der Brutpaare dürfte es gegenüber den Jahren zuvor wenig Änderungen geben.

Normalerweise verlassen die Störche Österreich bereits Anfang August, heuer tummelten sich noch Ende August etwa 80 Tiere in den March-Auen. Durch die Überschwemmungen war das Futterangebot so gut, dass die Vögel vor dem kräfteraubenden Flug ins ferne Afrika noch einmal kräftig zulangten und sich den Wanst mit Fröschen und Mäusen vollstopften.

Bummelzug nach Süden

Den Weg in die Winterquartiere legen Zugvögel wesentlich langsamer zurück als den Frühlingszug. Im Herbst fliegen die Tiere tief, meist unter 1.000 Metern, es werden häufig Rast- und Nahrungsplätze aufgesucht. Fast könnte man sagen: Die Vögel bummeln in den Süden. Beispielsweise Störche brauchen von Österreich bis ins ferne Südafrika von September bis Dezember.

Im Frühling sieht die Sache dagegen ganz anders aus. Die Tiere steigen wesentlich höher, einzelne Vogelarten auf bis zu 4.000 Meter, fliegen rascher und machen weniger Pausen. Die Wissenschafter nehmen an, dass die Vögel durch die zu zirkulieren beginnenden Fortpflanzungshormone angetrieben werden. (APA

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