Zweimal Einstiegsdroge

12. September 2002, 18:00
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...und ein Fremdgang: Neue CDs

NIGHTMARES ON WAX
Mind Elevation
(Zomba)
An der sinnlichen Wahrnehmung und ihrer Veränderbarkeit versuchen sich George Evelyn und Kevin Harper alias Nightmares On Wax mit ihrem programmatisch betitelten Album Mind Elevation. Wie bereits auf dem Vorgänger Smokers Delight (sic!) konstruieren die Briten Eingängiges auf vom Dub entlehnten Bass-Niveau und veredeln diesen im Raucher-Tempo daherkommenden Groove mit Beigaben aus dem Hause Funk. Zwar sucht man auf Mind Elevation vergeblich nach Sounds, die man nicht so oder so ähnlich bereits kennen würde. An einem milde gestimmten Sonntagmorgen versprüht das limitiert als Doppel-CD angelegte Album aber durchaus Charme. Harmlos wie die Lieblingsdroge seiner Produzenten.

HUSTLE! REGGAE DISCO:
Various Artists
(Hoanzl)
Reggae und Disco scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben. Auf der einen Seite glamourös-hysterischer Hedonismus zu hochgepeitschten Rhythmen, auf der anderen Seite breit gekiffte Bässe im Entlastungsgerinne der Echokammer. Und doch adaptierten viele Reggae-Künstler in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren Disco-Heuler in ihrem ästhetischen Outfit. Hustle! trägt eine Auswahl dieser Ergebnisse zusammen. Statt knieweich zu schunkeln orientierten sich alle darauf versammelten Acts an der höheren Geschwindigkeit von Disco und präsentierten großartige Resultate: Die Interpretationen von Rappers Delight, Ring My Bell oder - der Höhepunkt der Kompilation - Donna Summers Upside Down muss man einfach gehört haben! Es muss da draußen tatsächlich Rauchgräser geben, die beschleunigen ...

LOOPER
The Snare
(Virgin)
Looper nennt sich ein Fremdgang von Stuart David von seiner Stamm-Band Belle and Sebastian. Auf The Snare paart er programmierte Beats mit gepresstem Gesang und den eher introvertiert und melancholischen Stimmungsbildern seiner eigentlichen Brötchengeber. Klavier, Vibraphon und ein zurückhaltend geblasenes Saxophon runden ein sehr schönes und homogenes Album ab. Manchmal wünschte man sich mehr Spannungsmomente oder eine gewisse Unberechenbarkeit. Derlei findet jedoch ausschließlich in Kleinstmodifikationen statt. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2002)

Von Karl Fluch
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