Es gab auch Gewinner des Hochwassers

12. September 2002, 12:44
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Uferlandschaften haben sich selbst "renaturiert" - Tiere und Pflanzen haben sich neuen Lebensraum und neue Wege erobert

Rosenburg - So paradox es klingen mag: Die Forderungen des World Wide Fund for Nature (WWF), man möge doch den Flüssen ihre ursprünglichen Uferlandschaften zurückgeben, wurden erhört. Nicht von den Behörden, nicht von den Politikern - sondern just von jenen zerstörerischen Fluten, die nach den Rekordniederschlägen in Niederösterreich Tausende Menschen obdachlos machten.

Im Rahmen einer Pressefahrt entlang des Kamp und der Lainsitz "präsentierte" Auen-Ökologe Ulrich Eichelmann die "selbstrenaturierten" Flächen an den Ufern der beiden Flüsse. Und noch so ein Gegensatz: Während das Hochwasser ganze Ortschaften vernichtete, hat es in den unbewohnten Abschnitten vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wieder einen Platz zum Leben verschafft.

Erhebungen und Vermessungen

Der WWF hat diese Bereiche in wochenlanger Kleinarbeit erhoben und ausgewertet. Die Schwerpunkte der so genannten Selbstrenaturierungen - also jener Stellen, wo die Wassermassen natürliche Überschwemmungsgebiete von ungeahnten Ausmaßen geschaffen hatten - lagen erwartungsgemäß am Kamp und an der Lainsitz im nördlichen Waldviertel.

Allein am Kamp betrug die Fläche der durch Überschotterung und Übersandung stark veränderten Äcker und Wiesen 60 bis 70 Hektar. In unbebautem Gebiet sind mehr als fünf Kilometer lange Uferanrisse und zweieinhalb Kilometer neue Flussbette entstanden. Die Kartierungsergebnisse wird der WWF an Politiker und Behörden weiterleiten: "Von den neu entstandenen Flussjuwelen profitieren nicht nur Eisvogel, Bachforelle und Prachtlibelle, sondern auch der Mensch, der dadurch einen verbesserten natürlichen Hochwasserschutz bekommt", unterstrich Ulrich Eichelmann.

Neue Passage

Beispiele, wo sich der Kamp seinen einstigen "Bewegungsraum" zurückeroberte, gibt es einige. So hat sich das Wasser etwa zwei Kilometer oberhalb von Rosenburg neben der Wehranlage Umlaufberg ein neues Flussbett "gegraben". Damit können nun vor allem Fische das ehemals unüberwindbare Hindernis mühelos passieren. Eichelmann: "Die EVN sollte das Hochwasser als Chance betrachten und dieses Wehr nicht wieder ausbauen."

Ebenfalls im Raum Rosenburg liegt ein großer Acker, wo vor Wochen noch Getreide gewachsen ist. Das Kamp-Hochwasser hat sich dort nicht nur einen Nebenarm geschaffen, sondern förderte auch alte Flussverbauungen zu Tage. Ein Grund mehr für den WWF, seiner Forderung nach Rückkäufen von ufernahen Ackerflächen Nachdruck zu verleihen. In diesem Fall wäre das auch gar kein Problem - die betroffene Grundbesitzerin erklärte sich bereits zum Verkauf bereit. (APA)

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