Colt Telecom Austria will Hälfte seiner Mitarbeiter feuern

12. September 2002, 17:18
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"Im Gesamtjahr 2002 werden sich höchstwahrscheinlich keine schwarzen Zahlen ausgehen"

Die Österreichtochter der börsenotierten britische Colt Telecom Gruppe will nach einem massiven Mitarbeiterabbau im zweiten Halbjahr 2002 schwarze Zahlen schreiben. Im Juni 2003 plant Colt Telecom Austria erstmals einen positiven Cash Flow, 2004 will der auf Geschäftskunden spezialisierte Telekom-Infrastrukturanbieter profitabel werden, kündigte Colt Telecom Austria-Chef Alfred Pufitsch heute, Donnerstag, im APA-Interview an.

"Im Gesamtjahr 2002 werden sich höchstwahrscheinlich keine schwarzen Zahlen ausgehen"

Im ersten Halbjahr 2002 hat Colt Telecom Austria den Umsatz um 60 Prozent auf 24,2 Mill. Euro gesteigert, berichtete Pufitsch. Im Gesamtjahr 2002 soll der Umsatz von 34 Mill. Euro (2001) auf 45 bis 50 Mill. Euro steigen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich im ersten Halbjahr 2002 von minus 4,2 Mill. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf minus 1,9 Mill. Euro, im Juni sei das Unternehmen erstmals EBITDA-positiv gewesen. "Im Gesamtjahr 2002 werden sich höchstwahrscheinlich keine schwarzen Zahlen ausgehen, das EBITDA wird voraussichtlich mit 1 Mill. Euro negativ sein", so Pufitsch.

Kostensenkungsprogramm

Colt Telecom Austria hat sich 2002 - wie die gesamte Gruppe - ein Kostensenkungsprogramm verordnet. Dabei wurde die Mitarbeiterzahl knapp um die Hälfte reduziert. "Bis Jahresende werden wir 70 Mitarbeiter beschäftigen, Ende 2001 waren es noch 135 Beschäftigte", sagte Pufitsch. Das erst vor etwa einem Jahr mit einer Investition von rund 17 Mill. Euro errichtete "Internet Solution Center" (ISC) in Wien sei mittlerweile geschlossen und fast zur Gänze abgeschrieben worden.

zu langsam

Die Colt Telecom Austria sei in der Aufbauphase zu langsam gewesen, dazu sei die Telekom-Flaute und eine Führungskrise nach dem Abgang von Ex-Colt Telecom Austria-Geschäftsführer Gerhard Schuberth im Mai 2001 gekommen, begründet der seit Februar 2002 amtierende Colt Telecom Austria-Chef Pufitsch den Restrukturierungsbedarf des Unternehmens. Colt habe nun den Vertrieb forciert, was sich in steigenden Umsätzen niedergeschlagen habe.

Bis Jahresende will Pufitsch die laufenden Verhandlungen mit Kooperationspartnern in Osteuropa - "von Polen bis Slowenien" - abschließen. Bis Jahresende sollen auch die geplanten Niederlassungen in Budapest und Prag errichtet werden.

Küntig

Der österreichische Telekommarkt sei nach wie vor von fallenden Preisen geprägt, bemerkte Pufitsch. Der Wettbewerb habe sich durch das Carriersterben zwar etwas reduziert, doch würden Vertrauensstörungen in Folge der Telekomkrise die Kunden europaweit zu den Ex-Monopolisten zurücktreiben, die nach der Konsolidierung vielfach für Sicherheit stünden, so Pufitsch. Die Zukunft der alternativen Netzbetreiber in Österreich hänge massiv vom regulatorischen Umfeld ab.

Colt Telecom Austria betreut derzeit rund 650 Businesskunden. (APA)

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